Das Reich von Amador ist eine ehemalige Puppenfabrik, Industriekultur im klassischen Sinne. Stahl, Glas, Ziegelwerk, Herberge der größten Privatsammlung des Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. Passend erschuf Juan Amador das Genuss-Ambiente. Schneeweißes Mobiliar, feuerrote Akzente, Leder und anthrazitfarbenes Metall. Auch der Innenhof kein mediterraner Kräutergarten, sondern Reduzierung: Baum, Rasen, Pool, Terrasse. Eckig, schnörkellos. Das Publikum bei unserem Besuch ist bunt gemischt: Von jungen Paaren bis zur Gourmet-Gesellschaft über lässig gekleidet bis elegant ist alles dabei. Amador mag keine Etikettierung. Diese entspannte Einstellung zieht sich durch alle Bereiche. Amador in Mannheim ist ein Gourmet-Vergnügen auf 3 Sterne Niveau, das man sich ab uns zu einfach gönnen muss.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

„Gehofft hatten wir auf zwei Sterne plus baldiger Option auf mehr. Dass es sofort drei Sterne geworden sind, hat selbst uns überrascht”, sagt Juan Amador, dem bei unserem ersten Besuch im neuen Domizil die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Nicht, weil er angespannt ist, sondern weil es an diesem Abend schwüle 28 Grad hat. Da wäre ein Sprung in den restauranteigenen Pool eine willkommene Abwechslung.

Amador Mannheim, Fptp Fpdhunter, Sabine Rihland

Auch die Gäste relaxen im Innenhof und genießen “Handkäs mit Musik” à la Amador, geeister Beurre blanc mit Malzbrotkrümeln, Haselnussmilch und Kaviar, Kalbskopf mit Essigzwiebeln, luftig geschlagener Entenleber mit geräuchertem Aal, Granny Smith und Holzkohle-Öl und Kabeljaukutteln mit Pommery-Senfsauce. Jede dieser Speisen ein Aromen-Spektakel, das den Gaumen verführt statt ihn zu erschlagen. Keine Komponente übertrifft die andere, jede Nuance ist schmeckbar und definierbar.

Als FOODHUNTER ließen wir uns den Anflug von Sezierung nicht nehmen, um alsbald festzustellen, es besser sein zu lassen, weil es verdammt anstrengend ist. Amador muss man auskosten wie ein Silvesterfeuerwerk, nie wissend welches Bild die Feuerwerkskörper am Himmel zeichnen werden.

So erwartet uns nach unzähligen raffinierten Tapas ein Kaisergranat mit Quittenschaum, flankiert von einem unscheinbaren Geleeröllchen, das sich als wahre Aromabombe herausstellt. Die perfekte Jakobsmuschel im Petersilienröckchen vereint in sich Meer und Erde, während die Taube als orientalisches Märchen aus Curry und Mango auftaucht.

Amador Mannheim, Foto Foodhunter, Sabine Ruhland

 

 

Amador Mannheim, Foto Foodhunter, Sabine Rihland

Wie ein Zauberer zieht Juan Amador die Register der Gewürze und Aromen, erlaubt ein Staunen ebenso wie einen irritierten Blick. „Die wilden Zeiten sind dennoch vorbei“, sagt er. „Vor dem Start hier in Mannheim, sind wir erst einmal einen Schritt zurückgegangen, um dann das Beste herauszufiltern und neu und innovativ zu interpretieren. Auch mittels modernster Technik.“ Was uns an einen unterhaltsamen Artikel von Clark Parkin in der Welt erinnerte, in dem ein Hobbykoch beim Selbstversuch 3-Sterne-Küche nachzukochen, an den Rande des technisch und finanziell Machbaren kam. Sein Fazit: statt Tausende von Euros für den Maschinenpark anzulegen lieber einmal jährlich im Dreisterne-Tempel essen gehen – und im Kochbuch nur die Fotos anschauen. Dem können wir uns nur anschließen.

Amador Mannheim, Fptp Fpdhunter, Sabine Rihland

Restaurant Amador
Floßwörthstraße 38 
68199 Mannheim
Öffnungszeiten:
Di-Sa ab 19 Uhr
www.restaurant-amador.de