Die Tafeldecker in der Fuggerei in Augsburg

Die Tafeldecker in der Fuggerei in Augsburg

Küchenchef Torsten Ludwig ,ehemals im „Papageno“ und Geschäftspartner Gerd Kalkhoff sind „Die Tafeldecker“. Mit ihrem Team haben sie in der ältesten Sozialsiedlung der Welt, der Fuggerei in Augsburgs eine Einkehr mit einzigartigem Konzept kreiert, wahrhaft überraschend in Präsentation, Auswahl, Portionierung und Geschmack.

Autor Rudolf Danner, Fotos Die Tafeldecker, Rudolf Danner

„Ein Tafeldecker muss daher Geschmack besitzen, um Alles auf der Tafel so anzuordnen, dass die Gäste beim Eintritte in den Eßsaal oder das Eßzimmer dadurch überrascht werden“, schreibt J.G.Krünitz in der oekonomischen Encyklopädie über einen zu Fuggers Zeiten angesehenen Beruf, der dem Restaurant den Namen gab.

Im historischem Gebäude hat die Augsburger Designer- und Innenarchitektengruppe „Dreimeta“ ihre Grundideen der klösterlichen Askese modern umgesetzt. Wir stehen staunend vor einer langgezogenen Schauvitrine mit appetitlich aufgereihten Köstlichkeiten. Alle Speisen sind auf kleinen Schiefertafeln beschrieben und mit Preis und Nummer versehen: Krautkrapfen, Maultaschen, Käsespätzle oder Ochsenmaulsalat, echtes Wiener Schnitzel, Rehragout, Wallerfilet bis zur karamellisierten Kaiserschmarrntarte oder dem Cassis-Gugelhupf.

Maria-Theresia Gräfin Fugger von Glött sagte zur Restauranteröffnung: „Wir wollten etwas Wertiges schaffen, das zu unserer Erlebniswelt passt.“

Fugger

‚Viele Gulden müssen dafür nicht in der Kasse klingen, damit die Seele kann in den Himmel springen‘, um das Lutherzitat zum Ablasshandel etwas umzuwandeln.

Mittags business as usual: “3in1” Gänge-Menü für unter 10 Euro, stets frisch zubereitet und unter den Augen des auf einem riesigen Wandgemälde portraitierten Jakob Fugger serviert. Das etwas bescheidene Weinangebot nehmen wir zum Anlass als Begleitung das trübe Kellerbier der bereits um 1500 urkundlich belegten Augusta Brauerei zu wählen. Eine vorzügliche Wahl.

Neben den klassischen schwäbischen Gerichten munden die eingebayerten Klassiker wie Lasagne von der Kalbshaxe und zaghafte ausgebayerte Experimente aus der Fusionküche. Die optischen Reize bei der Auswahl können allerdings die Aufnahmekapazität oft überschreiten, zumal die Tapas-Schmankerl beileibe keine „Magentratzerl“ sind.

p1060860

 

Als Verdauungsspaziergang empfehlen wir daher die Besichtigung der Fuggerei. Die vor 500 Jahren von Jakob Fugger für bedürftige Augsburger Bürger erbaute Reihenhaussiedlung ist heute begehrte denn je, denn für 88 Cent Jahreskaltmiete, dem Wert eines Rheinischen Guldens entsprechend, können 150 Menschen mit geringem Einkommen in 67 Häusern mitten in der Stadt wohnen. Gerne verrichten sie die dafür geforderten drei täglichen Gebete und kleinere Sozialdienste fürs Gemeinwohl.

bildmaterial

Die Tafeldecker
Jakoberstraße 26
 86152 Augsburg
Tel. 0821 99879169
Öffnungszeiten
Mo-Fr 10-22 Uhr
Sa, So 8.30 – 22 Uhr
www.dietafeldecker.de

Fugger

Im Sommer mit schönem Biergarten