Schuhbecks Fine dining im Boettners

Schuhbecks Fine dining im Boettners

Das Imperium von Alfons Schuhbeck ist um ein Filetstück größer geworden. Das einstige Boettners am Platzl hat er übernommen und ein “Schuhbecks Fine Dining im Boettners” daraus gemacht. Offizielle Eröffnung ist im Februar, wenn die Südtiroler Stuben ihre Wandlung vollzogen haben. Bis dahin läuft ein Warm-up.

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter

Dem Alfons Schuhbeck wird es nicht langweilig. Mit dem Boettners ziert eine weitere Adresse sein kulinarisches Reich. Neue Projekte sind zusätzlich in Planung, denn auch das benachbarte Herrenmodengeschäft hat sich verzogen und statt Schlips und Hemden werden bald Müsli-Kreationen vom TV-Koch die Schaufenster zieren. Eine Expansion, die vielen missfällt, doch Schuhbeck ist Vollblutunternehmer und mit seiner Marke zu einem Aushängeschild für die Stadt geworden. Kaum ein anderer Koch in Deutschland ist derart erfolgreich und konsequent in der Umsetzung der Marketingstrategie.

“Wir bauen gerade die Südtiroler Stuben um, dort werden im Sharing-Prinzip italienische und bayerische Schmankerl serviert. Unkomplizierte Küche für Gäste, die ohne großes Tamtam gut essen möchten”, sagt Alfons Schuhbeck.

Nun, vielleicht gehen manche Dinge zu schnell, sind nicht ganz ausgereift oder hängen zu sehr am persönlichen Geschmack des Besitzers, der überall wo sein Name draufsteht auch Schuhbeck drin haben will. Im Fall von “Schuhbecks Fine Dining im Boettners” hätten wir uns kosmopolitisches Flair gewünscht, eine optische Überraschung, gekonnte Stilbrüche in den historischen Mauern. Statt dessen das bekannte Mobiliar aus den Südtiroler Stuben, Stuck und Goldmalerei, Wandspiegel und eine Hintergrundmusik, die von Feelings und La Boom bis Schwanensee reicht. Etwas ‘old-fashioned’ maßen wir uns an zu sagen, was dem Schuhbeck sicher so wurscht ist wie jede andere Kritik.

 

Statt der optische Überraschung die kulinarische, denn gegessen haben wir selten raffinierter als hier!

 

“Der kann alles, dem muss ich nichts mehr beibringen”, sagt Schuhbeck über seinen neuen Koch Maurice Kriegs. Dieser ist in der Schuhbeck-Küche kein Unbekannter, hat beim Starkoch gelernt, war danach bei Christian Bau und trägt jetzt die Verantwortung für “Schuhbecks Fine dining im Boettners”. Sympathisch ist er, wirkt mit seinem charakteristischen Bärtchen und den Tattoos fast ein wenig fremd zwischen Marmor und Spiegelwänden. Dafür zaubert er uns so viele Gaumenfreuden, dass wir die Klänge von Doktor Schiwago im Hintergrund fast überhört hätten. Die Gerichte sind Klassiker neu interpretiert, höchst raffiniert in Komposition und Anrichtung.

Ein formidables Lunch wird uns kredenzt, begleitet von exzellent abgestimmten Weine, ausgesucht von Restaurantleiter Daniele Giordano. Als Schuhbeck diesen am kunterbunten Krawattl zieht und meint, da müsse mal was Modernes her, können wir uns ein leises Schmunzeln nicht verkneifen – passt die Krawatte doch perfekt zu Marmor, Wiener Walzer und Spiegelkacheln….

Zweimal Gruß aus der Küche. Marinierte Garnelen umgeben von einem Meer aus Rettich, Sprossen und Kräutertupfen. Danach ein klassisches Soulfood: getrüffelter Spinat, darauf confiertes Eigelb und darüber Kartoffel-Espuma und schwarzer Wintertrüffel

Grandios die Jakobsmuscheln mit Butternut und einer Bouillabaisse verfeinert mit Zitronengras und Koriander. Der gebeizte Saibling war frisch und zart wie ein Thunfisch. Garniert mit allerhand roter, gelber und weißer Bete.

Steinbutt mit dem Besten vom Kalb auf einer Feldsalat Hollandaise

Kein Schwarzer Kabeljau hat uns je so gut geschmeckt – mit grünem Curry, Zuckerschoten, wildem Brokkoli und Pak Choi.

Ein Schuhbeck-Klassiker modern: Rehrücken und Rehtascherl mit Rotkohl, Kohlsprossen und Granatapfel

Auch beim Dessert wunschlos glücklich: Cremiger Chai mit Tonkabohne – will ich wieder!! – und Variation von Mango mit Kokos

Drei für Schuhbecks Fine dinging im Boettners: Maurice Kriegs (Mitte) und Restaurantleiter Daniele Giordano (rechts) mit der Krawatte des Anstoßes und Martin Moser (links)…

 

Schuhbecks Fine Dining im Boettners
Pfisterstraße 9
80331 München
Menü ab 83 Euro (drei Gänge), Weinbegleitung ab 35 Euro (drei Gänge)
Öffnungszeiten:
Di-Sa 12-14 Uhr und ab 18 Uhr.
Reservierung: 089 / 21 66 900
www.schuhbecks.de