von foodhunter
Kategorie: Reise / Restaurants

Hosteria del Teatro in Castiglione Delle Stiviere

Hosteria del Teatro in Castiglione Delle Stiviere

Dass sich dieser wunderbare Ort Hosteria (das alte Wort für Osteria) nennt, spricht für die Tradition und Authentizität, die sich damit verbindet. Ein geschichtsträchtiges Gemäuer aus dem 18. Jh. und eine raffiniert interpretierte traditionelle Küche mit regionalen Produkten.

 

Autorin Sabine Ruhland
Fotos © foodhunter

 

Es ist die Empfehlung von Weingutsbesitzer Claudio Girelli, sonst hätten wir kaum den Weg in dieses verschlafene Örtchen gefunden, das letztlich nur 12 km südlich von Desenzano liegt.

Dabei ist die Hosteria del Teatro von Elena und Claudio Truzzi kein unbeschriebenes Blatt, längst zahlreich erwähnt und ausgezeichnet im Gambero Rosso, Guide Michelin oder Guide L’Espresso – nicht nur wegen des Essens, auch wegen der ausgewählten Weinkarte.

 

Wo ist der Eingang zur Hosteria del Teatro? – Wir sagen es Ihnen: schräg gegenüber des weißen Autos.
Der weitläufige Garten, umrahmt von Mauern.
Zeugt von einzigartiger Tischkultur: das handgefertigte Porzellan aus der Manufaktur „Ginori 1735”
Die ikonische Vecchio Ginori-Linie „Oro di Doccia” . Für derartige Feinheiten können wir uns ebenso begeistern wie für Essen und Wein.

 

„Mr. Big” Claudio – nicht nur seiner stattlichen Statur wegen, auch seine Küche ist kompromisslos großartig und basiert auf regionalen Produkten.

 

Wenn Claudio am Tisch das Amuse bouche erklärt, ausschweifend, leidenschaftlich sind wir raus – dieser Mann spricht schneller als jeder Italiiener, dem wir je begegnet sind. Also konzentrieren wir uns statt auf Worte auf den Geschmack.

Die Handschrift ist schnell erkennbar – wenig Süße, wenig Schärfe, dafür viele kleine interessante Geschmacksheber wie pulverisierte Tomaten oder Marinade aus bestem  Rotwein für Fleisch oder auch mal Fisch. Der pure Geschmack des Hauptakteurs steht im Mittelpunkt und das verlangt Gaumenkenntnis.

Claudio Truzzi hat u.a. in Frankreich als Koch gearbeitet und verarbeitet kreativ diese Einflüsse in seinen italienischen Gerichten. Verstanden haben wir allerdings nix, denn dieser Mann spricht italienisch in einer rasenden  Geschwindigkeit.
Amuse bouche: Kartoffelhäubchen mit gerösteten Kürbiskernen; Brokkoli-Mousse mit Pulver von getrockneten Tomaten und eine Karotte-Rosmarin Creme mit Kopfsalat-Pulver.
Brot und Crissini sind hausgemacht, mit eigener Mutterhefe.

 

Die Caprione macht den Anfang – bedeckt mit einem Mangolgblatt, Champignon-Creme und veganer Mayonnaise.

 

Herrje, warum nur haben wir dieses Gericht nicht fotografiert?  Wahrscheinlich hat uns der zarte Eigengeschmack der Caprione (Gardaseeforelle) in ihren Bann gezogen. Die Caprione besitzt ein hellweißes Fleisch und eine feste Konsistenz und allein das kleine Mangoldblatt, das sie bedeckt, zaubert den vollkommenden Genuss.

Die Bigoli garniert der Chefkoch mit Sardellen vom Gardasee und schwenkt sie in französischer Butter. Zu diesem eher salzigen Gericht reicht Elena den Montonale Lugana und wir sind immer wieder erstaunt, welch perfekte Liaison Wein und Essen eingehen können, wenn sie aufeinander abgestimmt sind.

Butterzart und saftig ist das Fleisch von italienischen Graukühen, denn es wurde in La Venga Rotwein mariniert. Dazu Trüffel aus Valsesia und Kartoffelstampf. Ein Gericht, das Claudio nicht stark gewürzt hat, denn er offeriert dazu einen Orestilla Montonale, der mit seinen Aromen von süßen Zitrusfrüchten, Ananas, Stachelbeeren, gelbem Pfirsich und aromatischen Kräutern sowie der eleganten Mineralität ein neues Gaumenspektrum offenbart.

Den Abschluss des erkenntnisreichen Mahls bildet eine Zabaione ummantelt von Schokokeks und ein exzellenter Espresso.

Wir können uns also nur den Worten eines anderen Gastes anschließen: „Diese Adresse ist eine ausgezeichnete Erfahrung. Hervorragende regionale Produkte, mit Weisheit verarbeitet.”

 

Bigolini mit Sardellen vom Gardasse
Die Weinbegleitung ist aufs Sorgfältigste mit den Gerichten abgestimmt.
Unsere kompetente „Weinbegleitung”: Claudio Girelli vom Weingut Montonale (li.) und Weinhändler Nico Stark aus Regensburg.
Trüffel satt aus Valsesia, Fleisch vom italienisches Graurind auf Kartoffelstampf.
Zabaione mit Rosé-Wein aufgeschlagen und mit flüssigem Schokoladenkern im Schokokeks-Mantel.
Zum Abschluss ein weicher Espresso aus der Rösterei Gian Luca Venturelli.

 

Hosteria del Teatro
Via Bernardo Ordanino Nr. 5/B
Castiglione delle Stiviere.
Öffnungszeiten
Fr-Mi 12-14 h und ab 19.30 h
Do Ruhetag

 

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