Kräuterschlössl: Ysop, Yamswurzel und Kardenköpfe

Kräuterschlössl: Ysop, Yamswurzel und Kardenköpfe

Jörg Trafoier kommt fast täglich vorbei, schnappt sich Körbchen und Schere und durchstreift den einige Hektar großen Garten von seinem Freund Urban Gluderer. „Er ist der Einzige, der das darf“, lacht Urban. Der „fliegende Rettich“ hat es dem Sternekoch dieses Mal angetan. „Zum Wolfsbarsch ideal“, sagt er. Dazu noch die Blüten des Knoblauchs und des mexikanischen Salbeis, etwas Rosenblätter. Frische Minze und Berg-Artischocken müssen auch noch mit.

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©Foodhunter  

 

Während es Jörg Trafoier zurück in die Küche treibt, zeigt uns Urban seinen Garten Eden. Leise dringt Musik aus versteckten Lautsprechern, hier und da schillern Kunstobjekte in den Feldern. Bienen umschwirren uns, emsig damit beschäftigt, den farbenprächtigen Verlockungen nachzukommen. „Mein Sohn ist Imker. Wir haben hier im Garten 10 Völker. Daraus machen wir den Kräuterschlössl-Honig.“

Wir entdecken Wunderbares aus der ganzen Welt: Teufelssalbei und Fruchtsalbei, Yamswurzel, Mönchspfeffer und Szechuanpfeffer, Knoblauch, Breitblatt-Kresse, Roten Günsel, auch Blutwurz genannt, amerikanisches Moxakraut , Enzian, Alraunen, Kalmus, Brotklee, Malve, Liebstöckel, Goldmelisse, Erd-Burzeldorn, Schafgarbe, Spitzwegerich, Ysop, Rauschminze oder Karde, deren getrocknete, stachelige Kardenköpfe früher zum Karden (Kämmen) der Wolle benutzt wurden. Durch die Fähigkeit ihrer Wurzel gegen Borreliose zu helfen, gewinnt die Karde jedoch zunehmend an Bedeutung.

 

„Bei mir haben sogar Läuse Platz“, schmunzelt Urban. „Schließlich gibt es ohne sie auch keine Nützlinge.“

 

Von Hand wird alle 10-14 Tage der Boden gelockert und wegen des oftmals starken Windes wachsen die Blüten durch Gitter, um sie vor dem Umknicken zu bewahren.

Getrocknet werden Kräuter und Blüten für Tees und Gewürzmischungen, die im eigenen Hofladen verkauft werden, bei 36 °C, damit die ätherischen Öle nicht zerstört werden.

Im ‚Liebesgarten’ auf dem Dach, wo sich Gäste entspannt bei Frucht- oder Kräutertee niederlassen können, hat Sohn Manuel seine experimentelles Treibhaus. „Violette Bananen hat er derzeit angepflanzt“, sagt Urban. „Mal sehen, was draus wird.“

 

Kräuterschlössl, Foto Foodhunter

Von hier oben hat man auch einen guten Blick auf die Nachbarschaft. Apfelplantagen rechts. Apfelplantagen links. Nicht optimal für einen Bio-Bauern. Urban runzelt die Stirn, zeigt auf die fünf Meter hohe Heckenbepflanzung, die sein Grundstück begrenzt. „Darüber befindet sich zudem eine Wasserdruckleitung, durch die ich eine geschlossene Wassersprühnebelwand in die Höhe schießen lassen kann. Noch einmal gute fünf Meter.“

 

5 Meter hohe Wasserwände schützen vor des Nachbars Pestiziden 

 

Eine Erfindung von ihm selbst, denn einer seiner Nachbarn ist Apfelbauer der harten Sorte. Um dessen Düngemitteln keinen Durchlass auf die Bio-Kräuter zu gewähren, sprüht das Wasser die Pestizide dahin zurück, wo sie herkommen, auf Nachbars Boden. „Der ist heute zumindest so einsichtig, dass er sich nach dem Wind richtet und mir sagt, wann er spritzt, damit ich Wasserwand rechtzeitig einschalten kann.“ An allen Ecken seines Grundstücks hat Urban Fahnen befestigt. Jeder Nachbar düngt inzwischen erst, wenn der Wind so steht, dass er vom Bio-Grundstück wegführt. Ein guter Anfang.

 

Kräuterschlössl
Schanzenstraße 50
I-39021 Goldrain/Latsch
www.kraeutergold.it

Kräutergold, Foto Foodhunter