100/200 Kitchen. Neue Ära des Fine Dining

100/200 Kitchen. Neue Ära des Fine Dining

Im Kühlhaus von Thomas Imbusch hängt ein Wildschwein von Jäger Uwe Paulsen. Das wird verarbeitet. Zur Gänze. Nicht die einzige Besonderheit im 100/200 Kitchen. Hier ist alles anders. Fine Dining auf neue Art in Hamburg. 

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter

 

Der Lagerhallen-Riegel an der Spitze des Brandshofer Deiches galt jahrzehntelang als Schandfleck. Heute ist das Aeal begehrte Lage, denn der Brandshofer Deich gehört zum Stadtentwicklungsprogramm und liegt Vis-à-vis zur Hafencity. Thomas Imbusch kennt den Backstein-Komplex seit Jugendtagen. “Wenn ich von meinem Heimatort in der Nähe von Cloppenburg nach Hamburg über die Elbbrücken gefahren bin, habe ich dieses Gebäude gesehen. Verfallen und ungenutzt. Hier ein Restaurant, das wäre es, dachte ich.”

Sein Traum wurde wahr. Nach Stationen bei Christian Bau und Tim Mälzer hat er genau an dieser begehrten Stelle sein Restaurant 100/200 Kitchen eröffnet. Das Loft im dritten Stock – nur über einen Fahrstuhl erreichbar – ist ein einziger großer Raum mit Empore, Panoramafenstern und einer Terrasse. Mittelpunkt der Moltini Herd mit der Nummer 8777. Auch ein Traum von Thomas Imbusch. “Als ich eine Reportage über diesen Hersteller gesehen habe, war mir klar: das wird einmal der Herd für mein Restaurant.”

„Bei uns gibt es keine Speisekarte. Die Gäste sollen einen erlebnisreichen Abend genießen und sich überraschen lassen.”

 

Menüs im Internet, eine Speisekarte vor Ort – Fehlanzeige. Imbusch kocht spontan. „Dazu gehört auch, dass ich meine Gäste kenne. Ich begrüße jeden persönlich, da finde ich automatisch Präferenzen und Abneigungen.“ Platzierung an niedlichen 2er-Tischen, ebenfalls Fehlanzeige. Selbstgebaute lange Massivholztische mit Baumkante bieten vielen Gästen Platz.Kommunikativ soll es sein, wie in einer privaten Küche.

 

„Kochen ist Handwerk. Für meine Küche brauche ich nach bestem Wissen und Gewissen selektierte Produkte, Wasser, das bei 100 Grad kocht und einen Ofen, der auf 200 Grad läuft.”

 

Der Geschmack liefert die Emotion. „Wenn die einfachsten Gerichte eine Emotion hervorrufen, die sich schwer in Worte fassen lässt, habe ich genau das erreicht, was ich will. Deshalb wird im 100/200 Kitchen alles selbst gemacht. Blätterteig, Brot, Butter, Joghurt, sogar Wurst. Auch die Weinauswahl wird zum Erlebnis. Die Gäste gehen mit dem Sommelier in den begehbaren Kühlkeller und stöbern selbst. Die Preise für die Flaschen stehen unter den einzelnen Posten. „Ein unvergesslicher Abend”, sagen die Gäste. Imbusch lächelt. Ziel erreicht.

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100/200 Kitchen
Brandshofer Deich 68
20539 Hamburg
Di-Sa ab 18 Uhr
www.100200.kitchen.de