von foodhunter
Kategorie: Reise / Weine & Destillate

Burgund – Pilgerort ambitionierter Weinkenner

Burgund - Pilgerort ambitionierter Weinkenner

Dem Abstecher nach Narbonne und dem Besuch des „Les Grands Buffets“ folgen 1000 km Autobahn zurück in die Heimat. Als Zwischenstopp entscheiden wir uns für die Weinregion Burgund. Ein Traum zwischen Reben von Romanee Conti, Jean Chartron oder Coche-Dury.

 

Autorin Sabine Ruhland
Fotos © foodhunter

 

 

Wer foodhunter kennt, der weiß, dass wir Rebland lieben und alles, was es hervorbringt. Das Burgund ist solch ein Pilgerort, gepflastert mit den Reben der renommiertesten Winzerkönige und betupft von legendären Ortschaften. Für unseren kurzen Aufenthalt wählen wir den Ort Meursault – gelegen zwischen Beaune und Puligny-Montachet.

 

 

„Ich brauche dringend Meursault (…) das ist der, den ich am liebsten mag“, sagte Thomas Jefferson, 3. Präsident der Vereinigten Staaten und meinte den Mersault Gouttes d’Or.

 

Die Appellation Meursault verfügt über keine Grand Cru, dafür über 18 Premier Cru Lagen, auf denen fast ausschließlich Chardonnay angebaut wird.

Die Weinberge, die sich entlang weich geschwungener Hänge ziehen, liegen auf 250-300 m.ü.M. und sind geprägt von Böden aus schwerem Ton, Mergel und Kalkstein – eine Vielfalt, die den Chardonnays aus Meursault ihre charakteristische mineralische Komplexität, Frische und Opulenz beschert.

 

Aus dem Burgund kommt der einzige Chardonnay, der sich Meursault nennen darf.

 

Chardonnay ist die Traube, Meursault die Herkunftsbezeichnung.
Wir laufen von Meursault nach Puligny-Montrachez durch die Weinberge – 4,5 km feinstes Rebland. Die „Clos“, die von Steinmauern umschlossenen Weinberge, sind Teil der charakteristischen Weinparzellen des Burgund. Diese Parzellen heißen „Climats“ und sind UNESCO Welterbe.

 

Das charmante Dorf Meusault liegt inmitten der Weinberge und unser Übernachtungs-Tipp ist das „Hotel Le Globe“.

 

Besser gesagt das zum Hotel gehörige Apartment – mit Abstand, das schönste Ferien-Apartment, das wir je gebucht haben. Hohen Stuck-Decken, elegante Einrichtung nebst exklusiver Kunst und der herrliche Ausblick auf die Weinberge oder die Gassen von Meursault.  Ein 10 von 10 Punkte-Tipp.

Mit 167 € unter der Woche und 210 € m Wochenende (kann je nach Saison variieren – sollten Sie französisch sprechen, lässt sich über den Preis verhandeln) ein Top-Preis-Leistungsverhältnis.

 

 

Weinprobe bei Jean Chartron in Puligny-Montrachez

 

Wir haben Glück in Begleitung eines renommierten Weinsammlers zu sein, denn der Münchner Unternehmer Albert Meilhaus besitzt besondere Jahrgänge von Jean Chartron, die bis dato nicht einmal die Familie selbst besitzt und die an diesem Tag den Besitzer wechseln.

Die Chartron-Weine aus München werden gegen feinste jüngere Chartron-Tropfen getauscht – die wir natürlich verkosten dürfen, wie die 1er Crus 2025er Fassproben „St. Aubin Murgers des Dents et Chien“, den „Chassagne-Montrachet Villages“ und den„ Puligny-Montrachet Folatières“.

Jetzt schon große Weine, da fällt es schwer abzuwarten, bis der Wein seine endgültige Trinkreife erreicht hat.

 

Madame Chartron spricht hervorragend Deutsch, weil sie lange im Saarland gelebt hat.

 

Lunch im Restaurant L’Escale in Remigny

 

Madame Chartron gibt uns die Empfehlung zu diesem beliebten Restaurant, das im Herzen der Gemeinde Remigny und direkt am Kanal du Centre liegt. Herrlich für einen Spaziergang vor oder nach dem Essen.

Wir sind die ersten Gäste, pünktlich um 12 Uhr. Doch das Restaurant füllt sich Windeseile – mit Franzosen. Berühmt für seine traditionelle burgundische Küche und die moderaten Preise, ist das Lokal eine beliebte Anlaufstelle. Ein vorgegebenes 3-Gänge-Tagesmenü gibt es für 20 €, wer ein Menü à la Carte essen will, kann für 39 € drei Gänge aus der Karte wählen.

 

 

Mehr noch als die Speisen, die uns allesamt angesichts Qualität und Optik überzeugen, macht die Weinauswahl euphorisch.

Edelste Tropfen renommierter Winzer zu absoluten Top-Preisen, so bestellen wir einen Meursault von Coche-Dury für 175 €, der in deutschen Restaurants mehr als das Doppelte kostet.

 

Sie können sich auf den Kopf stellen – kein Restaurant im Burgund wird Ihnen eine edle Flasche „zum Mitnehmen” verkaufen und selbst die Korken hochkarätiger leerer Flaschen verbleiben im Restaurant.

 

Die charmante Gastgeberin ist Florence Dubois, ihr Mann Chefkoch Fabrice und auch Sohn Rémi ist bereits am Herd. Ja, wir versuchen alles, um die leere Meursault Flasche samt Korken mitnehmen zu dürfen. Keine Chance.

„Wir haben seit 25 Jahren beste Beziehungen zu den Winzern des Burgund. Weil mit den teuren Weinen viel betrogen wird, haben wir klare Anweisungen. Die leere Flasche können Sie gerne mitnehmen, allerdings werden wir das Etikett abstempeln und den Korken behalten.“

So verlassen wir das Restaurant L’Escale mit glücklichem Gaumen, aber ohne die Flasche mitgenommen zu haben.

 

 

Lage, Lage, Lage

 

In den kleinen Straßen des Örtchens Vosgne-Romanée röhrt es wie auf einer Formel 1 Strecke.  Ferrari, Porsche, Audi R8. Ziel der Bolliden: Romanee Conti, unbestritten die elitärste Adresse des Burgund. Zwei Hektar, maximal sechstausend Flaschen pro Jahr.

Wer keinen Zutritt zum Weingut hat, begnügt sich damit, sich vor den  Weinbergen ablichten zu lassen. In allen Sprachen der Hinweis, den Weinberg nicht zu betreten. Ja, auch wir stehen in der Schlange hinter Japanern, Chinesen und Belgiern…. Das nächste Mal muss eine Anmeldung in die „heiligen Hallen“ her.

 

 

Gegenüber steht niemand, dabei ist der Weinberg mit seiner Beschaffenheit und Ausrichtung identisch. La Grande Rue – ein Weinberg, den Romanée Conti zu gerne sein Eigen nennen würde, doch die Familie Lamarche verkauft nicht.

Seit 1797 werden vierzehn verschiedene Weine auf den prestigeträchtigen Terroirs erzeugt. Berühmt dafür, einen der seltenen Grands Crus von Vosne-Romanée, La Grande Rue, in Monopolstellung zu bewirtschaften, verfügt das Weingut, das seit 2010 biologisch bewirtschaftet wird, über drei weitere Grands Crus, darunter Clos de Vougeot, Echezeaux und Grands-Échezeaux. – Auch dieses Weingut, das von zwei Frauen geführt wird, wäre bei einem nächsten Besuch eine Weinprobe wert.

 

 

Der Tag der Abreise – einkaufen auf dem Markt in Beaune

 

Was für ein pittoresker Ort! Eine von Mauern umgebene Stadt, die vom Flüsschen Bouzaise durchzogen wird, mit Kopfsteinpflaster und historischen Sehenswürdigkeiten reich bestückt und bekannt für die jährliche Weinauktion, die im Hôtel-Dieu abgehalten wird.

Wir haben Glück, es ist Samstag, Wochenmarkt und Flohmarkt zugleich. Überall Cafés und Restaurants, einige wunderbare Händler mit Produkten „made in France“ – da konnte auch die foodhunterin nicht widerstehen.

Gerne wären wir länger geblieben, doch es bleibt die Vorfreude auf eine nächste Reise ins Burgund.

 

 

 

Les Grands Buffets – das berühmteste Restaurant Frankreichs

 

 

 

 

 

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