“Champagner im Dunkeln”. Eine Blindverkostung

"Champagner im Dunkeln". Eine Blindverkostung

“Was gibt es?” lautet immer die erste Frage, wenn Foodhunter zum Dinner einlädt. Doch dieses Mal verraten wir es nicht, unsere essfreudigen Gäste sollen beweisen, was ihr Gaumen wirklich hergibt. Auf die Idee gebracht hat uns die ungewöhnliche Blindverkostung “Champagner im Dunkeln” in der Villa Medici in Baden-Baden.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Der Einstieg ist immer etwas anders, das Ergebnis dasselbe: völlige Finsternis. Vor vier Jahren haben wir erstmals in München an einem “Dinner im Dunkel” teilgenommen und es war weniger die hohe Esskunst als vielmehr der Zustand der leichten Panik und der Orientierungslosigkeit, die nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind. Während wir damals beim Essen vom Service händchenhaltend in einen uns unbekannten Raum an einen Platz geführt wurden, hatte wir  in Baden-Baden bei “Champagner im Dunkeln” zumindest den Vorteil, den Raum und die Gäste vorher zu sehen.

“Achtung, wir löschen jetzt langsam die Lichter”. Der Glaube, vorbereitet zu sein, half nicht. Wieder ein Schock, wenn die Finsternis dich ins All wirft und jede Orientierung verhindert. “Ich glaube, ich werde panisch”, sagt meine Nachbarin. Ich beruhige sie, das beruhigt mich auch selbst.

Vorsichtig tasten die Finger den Tisch ab. Wo stand doch gleich das Brotkörbchen? Wo das Wasserglas? Drei Gläser Champagner werden aufgetragen. Die kleinen grünen Punkte, die wie Glühwürmchen durch den Raum blitzen, sind die Nachtsicht-Geräte des Service-Teams. Wir wissen weder Marke noch Farbe. Weiß, Rosé? Die Nase muss helfen und schon beginnen hitzige Diskussionen. Taittinger? Veuve? Moet? Welcher ist der Beste? Linkes Glas, rechts oder das in der Mitte? Lässt sich die Marke definieren? In der Tat, Runde 1 mit allen Klassikern ist  jedem bekannt und die rund 40 Teilnehmer können mit ihren Kenntnissen punkten.

Das Servieren der Runde 2 erfolgt mit Ansage: “Alles Rosé-Champagner”. Unverkennbar strömen die fruchtigen Buketts in die Nase. Aber die Differenzierung ist deutlich schwieriger. Dennoch schlagen sich alle gut. Es folg die Kür:  Spitzenchampagner wie Armand de Brignac Brut, Krug, Ruinard Comtes des Champagne. Da wurde es wirklich haarig und das Ergebnis war verblüffend.

Villa medici, Fotos Foodhunter

Alles es wieder hell wurde, waren nicht nur die Flaschen zu sehen, sondern auch das ganze Ausmaß der Verkostung – leere Gläser soweit das Auge reicht.

Jetzt sind also sie dran, unsere privaten Gäste. Brillen, die ansonsten im Solarium verwendet werden, haben wir besorgt, haben unsere Gäste an den Esstisch geleitet. Der Aperitif? Ein Champagner. Aber welcher? Kleines Fingerfood? Ja, aber welche Füllung? Der Wein zum Essen? Ja, aber welcher? Dazwischen ließen wir unsere Gäste ihre Brillen abnehmen – es isst sich mit Messer und Gabel doch wesentlich entspannter, aber der Digestif, der war dann wieder eine Herausforderung. Schlehe, Wildkirsch oder Brombeere? Ein ganz und gar sinnliches Vergnügen, mal nicht alles zu sehen und sich nur auf Gaumen und Nase zu verlassen.