Crew Ale – Craft Beer aus München

München wird von Großbrauereien beherrscht, doch zwei Jungs bieten den Konzernen die Stirn. Timm Schnigula und Mario Hanel geben mit ihren Bierkompositionen Nachhilfeunterricht in Sachen Geschmack. Foodhunter schaute bei dem ungewöhnlichen Start-Up vorbei, das ausgerechnet in München mit einem obergärigen, naturtrüben Ale den Markt aufmischt. Crew Ale – Craft Beer aus München. 

 Autor Karin Lochner

„Perfekt ausgewogen zwischen aufregendem Hopfengeschmack und feinem Fruchtaroma“, „rot-goldfarben mit schöner Krone“, „süßlich-fruchtiger Duft und weich, im Abgang bitter, dennoch rund“, „extrem vollmundig“ „so gehalt- und geschmackvoll, aber auch harmonisch wie kaum ein anderes“, wird das jüngste Münchner Bier von Liebhabern oder bei Verkostungen gelobt.

Timm Schnigula und Mario Hanel hatten viele handwerklich gebraute Biere kleiner Brauereien getrunken, als sie sich entschieden, selber welches zu brauen. Überall auf dem Globus entdeckten sie Hopfensorten, Hefestämme und Rezepturen, die in Deutschland fast unbekannt sind, jedoch Geschmacksvielfalt versprechen. „Unser Vorbild waren und sind kleine Nischenbrauereien in den USA“, erklären die Jungbrauer. „Wir träumten von einem Bier, das jenseits konventioneller Biersorten.“

Also gründeten sie die 2-Mann-Firma: Die Crew Ale Werkstatt und begannen in einer Wohngemeinschaft im Münchner Glockenbachviertel mit einer Minibrauanlage zu tüfteln. In der Hohenthanner Schlossbrauerei fanden sie einen Braumeister, der 50 oder 100-Hektoliter-Chargen nach ihren Vorstellungen braut.

Kein Helles. Kein Weizen. Kein Pils. Sondern Ale

Crew Ale ist, abgesehen von seinem Entstehungsort, kein bayerisches Bier: Kein Weizen oder Helles. Auch kein Pils, sondern ein Ale, jedem Pub-Besucher in Großbritannien bekannt. Ale entsteht durch ein spezielles Brauverfahren und enthält dreimal mehr Hopfen als ein Pils. Der Hopfen verleiht dem Bier sein ausgeprägtes Aroma und seine typische Bitterkeit. Beim Crew Ale trifft britische Brauart auf intensive aromatische Hopfung. Dabei verzichtet das Münchner Crew Ale bewusst auf eine zu strenge Bitternote.

Die Wahlmünchner produzieren nach dem bayerischen Reinheitsgebot. „Es gibt viel Spielraum trotz Reinheitsgebot.“ Die Dolden der weiblichen Hopfenpflanzen kommen bei ihrem Ale als Pellets nicht nur im Sudhaus, sondern auch in Gestalt von speziellem Aromahopfen im Lagerkeller, in der kalten Phase des Brauens, ins junge Bier. Hopfenstopfen nennt sich diese Technik, die dem Bier Aromen verleiht, die sonst beim Sud verdunsten würden.

Die beiden Jung-Brauer sind bei jedem Brauprozess ihres Bieres dabei. „Mich juckt es in den Fingern!“ schwärmt Hanel. Recht hat er, denn die Hefe erfordert tatsächlich das meiste Fingerspitzengefühl beim Brauen. Lebendige Hefekulturen lassen die Würze gären. Sie verwandeln Zucker in Alkohol und die Kohlensäure, die das Bier später schäumen lässt. Da muss alles stimmen, Temperatur, Konsistenz und das Verhältnis aller Zutaten zueinander. Konzentriert misst der Braumeister in der Schlossbrauerei die Temperatur in der Maischpfanne, in der die Mischung aus geschrotetem Malz und Wasser stufenweise erhitzt wird. Süßlich-schwerer Geruch liegt über dem Ganzen. „Was für ein Duft!“ begeistert sich Schnigula, während die dampfende Maische in einem Rührwerk, Whirlpool genannt, mit Wasser vermischt wird. Der Braugeruch verstärkt sich, wenn das frisch gesottene Bier im offenen Gärtank ausdampft, abkühlt und dabei ein Zwanzigstel seines Volumens verliert. Inzwischen bekommen die beiden auch von der Fachpresse viel Zustimmung. Der Traum vom eigenen Bier war also keine Schnapsidee.

Foto Crew Ale

 GUT ZU WISSEN

  • Nach monatelangem Feilen an der Rezeptur und unzähligen Probesuden setzten sich in der Crew-Werkstatt zwei Sorten durch: Pale Ale und India Pale Ale, kurz IPA.
  • Das Pale Ale erfrischt mit schlankem Zitronen-Aroma und einer mild-herben Hopfenbitterkeit. An der wuchtigen Variante, dem India Pale Ale, schätzen Kenner die Mango-Maracuja Note und eine dezente, im Bier verbleibende Malzsüße.
  • Das India verdankt seinen Namen der Tatsache, dass die Ursprungsrezeptur aus der Kolonialzeit stammt. Nur gewaltige Mengen Hopfen und ein hoher Alkoholgehalt ließen die ersten India Pale Ales den langen Seeweg von England nach Indien überstehen. Denn die Inhaltsstoffe des Hopfens wirken konservierend.
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