Elbfischer Buckow. Zwischen Aal und Stint.

Elbfischer Buckow. Zwischen Aal und Stint.

Unsere Reise führt ins Alte Land, genauer nach Jork, rund 60 Kilometer von Hamburg entfernt. Reetgedeckte Fachwerkhäuser, Obstplantagen und der Yachthafen Neuenschleuse. Hier treffen wir uns mit Lothar Buckow, einem der letzten Elbfischer.

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter 

 

Still dümpelt „Elise“, der liebevoll restaurierte Kutter von Elbfischer Lothar Buckow in Hanöfersand, einer der wenigen noch intakten Buchten. Bewachsene Ufer, Sandbänke, letzter Zufluchtsort für Fische, die ansonsten im Industriekanal kaum Unterschlupf finden. Was auch erklärt, warum von den einst 1.000 Fischern nur noch vier übrig sind. „Ich hoffe, es reicht noch mit den Fischen bis ich aufhöre“, sagt Lothar Buckow und holt die Reusen ein. Einige Aale sind ins Netz gegangen. Dazu zappeln bald auch zwei Butte im Eimer.

 

Die Reusen sind nur ein Teil seiner Arbeit. Lothar Buckow ist in erster Linie Hamenfischer.

 

Bei dieser umweltschonende Fischfangtechnik liegt das Boot ruhig vor Anker und werden die Hamen ins Wasser gesenkt, an denen die Netze befestigt sind. 49 qm Netz je Seite. Die Fische sammeln sich in den Netztaschen, kommen lebend mit dem Kescher an Bord und sofort in die Wasserbehälter. Der Beifang wird unversehrt wieder freigelassen. Weder Netz noch Pflug durchziehen den Fluss- oder Meeresboden, zerstören Bewuchs oder Tierwelt. Die Arbeitszeiten bestimmt der Gezeitenkalender.

 

„Bei Niedrigwasser lasse ich die Netze runter und ca. fünf Stunden später, bei Hochwasser, hole ich sie wieder ein. Übrigens bei jeder Tages- und Nachtzeit.“ Harte Bedingungen. Was Lothar Buckow nicht daran hindert, seinen Beruf als Traumberuf zu bezeichnen.

 

„Ich wollte schon immer Fischer werden. Habe spät damit angefangen und es nie bereut. Es ist die Ruhe auf dem Kutter, das Alleinsein. Das Leben mit der Natur und die Freude darauf, was ins Netz geht.“ – Das ist immer weniger, wenngleich derzeit Versuche gestartet werden, Lachse, Meerforellen und Störe in der Elbe auszusetzen. Auch eine von Brüssel bereits abgesegnete Finanzierung zum Aussetzen von Glasaalen in der Bucht gab es. Lothar Buckow hätte dabei helfen sollen, doch er verwehrte sich. „Die Berieselungsanlagen der Obstplantagen ziehen das Wasser aus der Elbe und die kleinen Glasaale gleich mit. Die verstopfen die Rohre, sterben natürlich. Und das Geld ist auch futsch.“ Auf die Idee, den genehmigten Betrag anderweitig und sinnvoll in der Fischerei einzusetzen, sind die Verantwortlichen in Brüssel leider nicht gekommen.

 

Auch die Kreispumpensysteme der Stauwehre tun ein Übriges, Aale auf dem Weg in die Elbe zu zerstückeln.

 

„Drei Jahre brauchen die Aale, um von der Saragossasee als rund sieben Zentimeter große Glasaale an unsere Küsten zu gelangen. Weiter geht es flussaufwärts in unsere Binnengewässer – ein Weg, den die meisten mit ihrem Leben bezahlen. Der Aal stirbt aus, das ist nicht mehr aufzuhalten.“ Klare Worte, klarer Menschenverstand, was ihm nicht gerade Freunde macht. Doch Lothar Buckow war schon immer anders als seine Kollegen, ein Quereinsteiger, allerdings mit den Genen einer Fischerfamilie. Er war auch der erste Fischer, der den Stint Ende der 90er Jahre wieder populär machte.

 

 

Der Stint – wiederentdeckte Delikatesse

 

Das lachsähnliche Fischlein kosten wir im gemütlichen, weiß-blauen Fischladen der Buckows. Frischer geht es nicht. Kaum aus dem Wasser kommen die Fische, die roh nach frischer Gurke riechen, golden gebacken auf die Teller. Das Fleisch ist fest, weiß, besitzt ein feines Aroma. Mit Zitrone oder einer säuerlich abgeschmeckten Dill-Mayonnaise serviert, ein Genuss.

Die Heimat des Stint ist der nördliche Atlantik und die Ostsee, nur während der Laichzeit im Frühjahr zieht er in großen Schwärmen ins Brackwasser der Flussmündungen.Inzwischen hat er sich wieder seine Fans erobert, Lothar Buckow beliefert den gesamten Hamburger Fischmarkt.

 

 

Unser Tipp für Stint und Aal: eine Fahrt übers Alte Land nach Jork, das sich mit schmucken Häusern, Bachläufen und kleinen Brücken recht romantisch präsentiert, ein Spaziergang bei der Neuenschleuse, eine Teepause im “Mövennest” und auf jeden Fall ein Besuch bei den Buckows. Die haben im Winter von Dienstag bis Samstag 9-18 Uhr geöffnet, liefern auf Wunsch aber auch (gut verschweißt) Stint und Aal in alle Teile Deutschlands. www.elbfischer-buckow.de