Insidertipps Wien

Insidertipps Wien

Auch wenn die Welt der Gourmets sich hauptsächlich an Frankreich und Italien orientiert, gibt es doch nur eine Stadt, nach der ein Kochstil benannt ist: Wien. Autor und Fotograf Martin Swoboda verrät uns seine Insidertipps Wien. Mehr über Wiener Küche finden Sie in seiner Reportage im Magazin ICONIC FOOD

 

Autor Martin Swoboda
Fotos ©Atelier Homolka (Foto oben: urbanek, Naschmarkt)

 

Wo in den Tag starten?

 

Im Guest House VIENNA, dessen Direktor zuvor für das legendäre „Café Drechsler” am Naschmarkt verantwortlich zeichnete und daher auch an seiner neuen Wirkungsstätte gegenüber der Albertina die Frühstückskultur hochhält. Oder im CAFÉ ENGLENDER beim Stubentor, das darüber hinaus den ganzen Tag hervorragendes Essen serviert und als der Treffpunkt für Künstler, Kulturschaffende und Journalisten gilt.  CAFÉ ALT WIEN in der Bäckerstrasse steht, wo schon der legendäre Helmut Qualtinger sein „Achterl“ bestellte. Eine moderne Version des Wiener Cafés ist das DELIA‘S auf den Tuchlauben. Einen starken doppelten Mokka wie der Espresso in Wien standhaft genannt wird, bekommen Sie am NASCHMARKT. Ein Hotspot ist und bleibt der URBANEK. 

Wo genießt man authentische Küche?

 

Zu späterer, nein, zu jeder Stunde kommt man im SCHWARZEN KAMEEL im „Goldenen Quartier” am Anfang des Grabens auf seine Rechnung. Hören Sie nicht auf jene, die behaupten die fantastischen Brötchen wären überteuert, im Gegenteil, drüben beim Spezialisten kosten sie mehr, sind kleiner und nicht annähernd so köstlich. 

Fürs Mittagessen haben die Wiener ihr Wirtshaus, HAUSMAIR‘S GASTSTÄTTE auf der Lerchenfelder Straße etwa, das ZU DEN 3 HACKEN nahe dem Stephansdom oder den REINTHALER in der Gluckgasse. Diese Wirtshäuser halten entgegen aller Trends die klassische Wiener Küche hoch, ohne Chichi und Abstriche. Dann ist da noch der PLACHUTTA, unbestrittener Tempel des Tafelspitz, Reservierung fürs Hochamt unumgänglich! 

 

Kurz raus aus der Stadt …

 

Für gutes Essen ist sogar der Wiener bereit, eine kleine Reise auf sich zu nehmen, idealerweise mit der Straßenbahnlinie D. Die versiegt im von Touristenbussen verschonten Heurigenort Nussdorf. Ganz pragmatisch gelangt man von der Endstation Beethovengang – ja, auch der zechte gerne hier – durch den Gastgarten zum HEURIGEN KIERLINGER. Nur ein Haus weiter, auf der Kahlenberger Straße 24, gibt es mit dem SCHÜBEL–AUER eine hervorragende Alternative. Gewohnt hat Beethoven nicht weit von hier, heute findet man in dem Haus am Pfarrplatz 2 in Heiligenstadt den MAYER AM PFARRPLATZ, eine von einem Philanthropen gerettete Institution des Wiener Weinbaus.   

Geht es nur ums Essen, steigt man bei der Station Nußdorfer Platzl aus, geht ZUM RENNER auf Hausnummer 4, freut sich, dass in der Vorstadt die Zeit stehen geblieben scheint. Und bestellt zum Beispiel das beste gebackene Hirn der Stadt mit Erdäpfel-Mayonnaise-Salat.

 

Die besten Süßspeisen?

 

Den Nachmittag unterbricht man in Wien gerne mit einem Besuch in der Konditorei, als ehemalige Hoflieferanten haben HEINER auf der Wollzeile 9 und GERSTNER auf der Kärntnerstrasse 51 Zweifel über ihre Qualität längst zerstreut. Mittlerweile verspricht auch die KURKONDITOREI OBERLAA schon Kraft ihres Namens Wohlbefinden. „Anwendungen” werden in vielen Filialen verabreicht, etwa am Neuen Markt 10. Natürlich gilt: Die Dosis entscheidet über die Wirkung des Gifts. 

 

Die besten Drinks?

 

Um der Verdauung auf die Sprünge zu helfen, wird in Wien gerne Alkohol herangezogen. Als erste American Cocktail Bars neuen Stils hat sich der PLANTER‘S CLUB vor 20 Jahren in der Zelinkagasse 4 etabliert. Der nach dem Vorbild des „Planter’s Club Hill Station” in Darjeeling gestaltete Clubraum mit seinen englischen Lederfauteuil weist in die Vergangenheit. Dafür sind die von internationalen Barkeepern gemixten Drinks auf der Höhe der Zeit. 

Wirklich asiatisch sind die Streetfood Snacks die Josef „Bepperl“ Kiang in seinem KIANG WINE & DINE jenseits des Rings in der Grünentorgasse 19 serviert. Der gebürtige Wiener ist nach ein paar Jahren in der Heimat seiner Familie in Schanghai wieder heimgekehrt, wieder ein paar Einflüsse aus der Ferne, welche die Wiener Küche bereichern.

Die tatsächlich älteste Bar der Stadt ist die LOOS AMERICAN BAR im Kärntner Durchgang 10, die nicht nur ein architektonisches Juwel ist, auf den knapp 30 qm Grundfläche versammeln sich unter der Regie der legendären Geschäftsführerin Marianne Kohn Nachtschwärmer aus aller Herren Länder, selbst Hollywood kommt um einen Besuch hier nicht herum.  

 

Die besten Würstel?

 

Unumgänglich ist danach der Besuch eines Würstelstandes, weit ist der nächste nie! Etwa jener am HOHEN MARKT, wo man durchaus auch vegetarisch kochende Chefs beim Verzehr von Pferdeleberkäs Gesellschaft leisten kann, BITZINGER am Albertinaplatz hinter der Oper oder ZUM SCHARFEN RENE am Schwarzenbergplatz, der den Namen wirklich verdient, weil die eingelegten Pfefferoni von René Kachlir mit bis zu 6 Millionen Scoville zu den schärfsten der Welt zählen. Mit ausgezeichneter Wurstware punktet der WIENER WÜRSTELSTAND in der Pfeilgasse 1 in der Josefstadt. Jede Sorte liefert ein anderer Fleischhauer aus Wien oder Umgebung, Brot und Gebäck werden von Gragger gebacken und es wird an vegane Gäste gedacht: die Pilzwürstel von Hut&Stiel lassen nichts vermissen. Auch hier bekommt man, wie bei allen genannten Institutionen, die allesamt vorzüglichen Biere.

 

Noch ein Hoteltipp …

 

Welcher Ort bietet diese atemberaubende  Aussicht? Die Rooftop-Bar des Hotels Lamée. 32 Zimmer und Suiten im Stil der 30er Jahre.