Léa Linster, Luxemburgs Meisterköchin

Léa Linster, Luxemburgs Meisterköchin

Sie hat die königliche Hochzeit von Guillaume von Luxemburg mit Stéphanie de Lannoy kulinarisch begleitet – kein Wunder, ist Léa Linster doch die berühmteste Köchin des kleinen Reiches Luxemburg. Wir haben die quirlige “Entertainerin am Herd” besucht, die als erste und einzige Frau den „Bocuse d’Or“ erkochte.

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos @Foodhunter

 

„Wir haben ja fast mehr über Sie geredet als über Ihr Essen“, kokettiert die Kölner Feinschmecker-Runde. Léa Linster lacht, weiß um ihren Charme und schenkt im Shop Léa Linster Delicatessen in der Luxemburger Altstadt ihren eigens kreierten Crémant aus. Plaudern gehört zu ihrem Handwerk.

 

Wie hat Biolek vor 20 Jahren zu ihr gesagt? „Du bist berühmt wegen deiner Fans.“ Ein Satz, der sie ebenso prägte wie der ihres Vaters auf ihre Frage, wann man denn eigentlich berühmt sei.

 

„Wenn dich Leute kennen, mit denen du persönlich nie etwas zu tun hattest.“ Heute ist sie eine Berühmtheit, nicht nur im kleinen Luxemburg. Seit sie in ‚Lanz kocht’ die Herrenrunden schlagfertig aufmischt, ist sie auch in Deutschland eine der beliebtesten Köchinnen.

 

Lea Linster Luxemburg

 

Am Nachmittag treffen wir sie in Frisange, rund 15 Kilometer von Luxemburg entfernt. Ein kleines Dorf mit einem Wasserspeicher, der an einen Atompilz erinnert. Unübersehbar – wie auch das Konterfei der Sterneköchin, das als riesiges Plakat an der Hauswand hängt. Ein schönes Refugium hat Léa Linster geschaffen. Hell und weiß, Farbtupfer in Blau und Grün, ein weißes Piano, romantisch-schönes Geschirr und feinstes Silber. Bodentiefe Fenster, die in den angelegten Garten und auf wilde Wiesen blicken lassen.

 

Lea Linster Luxemburg

 

Geschäftig rennt Léa hin und her, dirigiert, organisiert, telefoniert, probiert in der Küche. Am Herd steht sie kaum, hat sich eine Crew geschaffen, mit der sie kreieren und entwickeln kann – der Rest läuft von selbst. „Korbi komm her, was gibt es denn heute für die Geburtstagsgesellschaft?“ Korbinian Wolf ist seit acht Jahren ihr Souschef. Auf einer Koch-Castingshow hat sie den sympathischen Bayern vom Tegernsee kennengelernt und vom Fleck weg engagiert. Er setzt sich auf ihre Stuhllehne. Vertraut sind die beiden, wenngleich Léa für alle respektvoll „der Chef“ ist. Ihre Handschrift ist makellos schön – wie die vieler Köche. Sie schreibt die Speisekarte speziell fürs Geburtstagskind, malt noch eine Torte drauf. „Gib mir einen Goldstift – machen wir noch ein bisschen Tamtam”, lacht sie.

 

Lea Linster Luxemburg

Die Küche ist offen – Neugierige können den Tisch vorm Tresen haben und dem Geschehen beiwohnen. Wir gehören dazu. Perfekt die Foie gras, Paradedisziplin guter Köche. Leicht fruchtig mit einem Hauch Pfeffer und von begnadeter Konsistenz. Raffiniert das Lamm in Kartoffelkruste. Die Kartoffelspäne werden in Form gebracht und vorgebraten, das Lamm danach damit umwickelt und bei Niedertemperatur gegart. So bleibt innen alles saftig und außen ist alles knusprig.

 

„Ich bin eine Frau, dazu noch aus dem kleinen Luxemburg. Klar sind die Spitzenköche nett zu mir – für die bin ich keine Konkurrenz!“

 

Während wir die Küche beobachten ist Léa Linster unterwegs an den Tischen, begrüßt die Gäste und löst mit ihrer Fröhlichkeit eine Welle der Heiterkeit aus. Dass heute alles so läuft, war ein steiniger Weg.

„Es gab eine Zeit, da wollte ich alles hinwerfen. Ich verkaufe an den Nächstbesten, der kommt, sagte ich damals.“ Der Nächstbeste kam, ein Vertreter, Spießigkeit vom Scheitel bis zur Sohle. Da zupfte ihr kleiner Sohn, damals im Vorschulalter, sie am Rockzipfel und meinte nur: „Also Mama, an den verkaufst du aber nicht. Besser zu verkaufst gar nicht. Ist ja auch mein Restaurant!“

Lea Linster Luxemburg

 

Léa Linster hat nicht verkauft, sondern expandiert. Heute ist sie Marketingprofi durch und durch. Zum Sternelokal kam der futuristische Pavillon Madelaine in Kayl mit Bistroküche und das Letzebuerger Kaschthaus für private Events in Hellange.

Kochbücher, Kochshows, eigenes Geschirr, eigene Weine und Crémant und der Laden in Luxemburg. Wer sich gut vermarkten will, braucht die richtigen Leute um sich. „Ansonsten arbeitet man sich auf.“ Wie gehen ihre große Kollegen mit ihr um? „Ich bin eine Frau, dazu noch in dem kleinen Luxemburg. Klar sind die Spitzenköche nett zu mir – für die bin ich keine Konkurrenz!“ Oh doch, liebe Léa.

Lea Linster Restaurant
17, route de Luxembourg
L-5752 Frisange (ca. 10 km von Luxemburg-Stadt)
T +352 23 66 84 11
Mi-So 19-21 Uhr /Sa und So zudem 12-15 Uhr
www.lealinster.lu