Kleinbauern vs. industrielle Landwirtschaft

Kleinbauern vs. industrielle Landwirtschaft

Bei einer Umfrage im Bekanntenkreis tippten durchweg alle auf die industrielle Landwirtschaft als wichtigster „Nahrungslieferant” der Zukunft. Es ist raffinierte Lobby- und Medienarbeit, die uns in falschem Glauben wiegt. Fakt ist: 70-75 % unserer konsumierten Nahrung entstammt Kleinbauern und Familienbetrieben.

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter
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„Dass nur die industrielle  Landwirtschaft die Welt ernähren kann ist ein Märchen, das uns Chemieindustrie, Hersteller landwirtschaftlicher Geräte und die Banken erzählen, damit sie selbst überleben. Wenn die Leute selbst das Land besitzen, produzieren sie viel mehr”, sagt Nick Green – Ein Satz aus einer Reportage, die zahlreiche positive Wege zeigt, die Zukunft zu gestalten. Großkonzerne und Politik braucht es dafür eigentlich nicht. Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen.

Großbetriebe produzieren zwar große Mengen an landwirtschaftlichen Rohstoffen, doch wenig davon dient als Nahrung. Das meiste wird als Viehfutter verwendet oder zur Herstellung von Biotreibstoff. Was die Produktion von Nahrungsmitteln angeht ist die industrielle Landwirtschaft total ineffizient.

 

Was Green sagt, kann Olivier de Schütter (UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Ernährung) nur bestätigen. Agrarökologie kann die Welt ernähren und die Umwelt intakt setzen, denn 70-75 % unserer konsumierten Nahrung stammen von Kleinbauern und Familienbetrieben Regierungen und Wissenschaft sind sich sogar einig, dass unser heutiges System nicht funktioniert. „Doch Alternativen entwickeln sich nur langsam, denn die eigentlichen Berater der Regierungen sind Großkonzerne und deren wirtschaftlichen Interessen beugen sich die Regierungen. Leider läuft das allen demokratischen Anforderungen zuwider.”

 

So sind von den sechs reichsten Konzernen der Welt, fünf Ölfirmen. Jede Kalorie, die wir heute essen, verbraucht 10-12 Kalorien fossile Brennstoffe, denn Dünger, Maschinenantrieb, Verarbeitung, Transport, Verpackung – das alles basiert auf Erdöl.

 

„Wir müssen also Wege finden, uns erdölfrei zu ernähren”, sagen auch Charles & Perrine Hervé-Gruyer, Organic Farmer aus Frankreich. „Das ist kein Spleen von Amateuren, es ist notwenig, um die Menschheit von morgen zu ernähren.”

Das geht am besten manuell. Begeistert zeigt Charles Hervé-Gruyer seine Präzisions-Sämaschine, sie sät 6 Reigen Gemüse. Hin und zurück 12 „Mit einem Traktor sind es gerade mal drei Reihen”, sagt Charles. „Wir machen dasselbe wie die Pariser Gärtner des 19. Jahrhunderts vor der Mechanisierung: Zwischenfruchtanbau. Das heißt 12 Reihen Karotten, daneben 6 Reihen Rettich und 6 Reihen Rosenkohl. Auf 80 cm Breite wachsen dann 24 Reihen mit drei Gemüsesorten. Ein derart einfaches wie innovatives Werkzeug ist das Geheimnis unserer Produktivität.”

 

 

Die Zukunft gehört der Permakultur

 

„Der Mensch ernährt sich von nur wenigen  Pflanzen. 60 % unserer Nahrung bestehen aus Getreide, Mais, Reis, lauter einjährige Pflanzen. Unsere Ernährung, die getreide, fleisch und milchlastig ist, ist weder gut für unseren Körper und ganz schlecht für die Erde. Agraökologie verdoppelt den Ertrag. Mit Permakultur verdreifacht oder vervierfacht er sich.”

Was ist Permakultur? Eine Anbaumethode, deren Ziel es ist, nutzbare Ökosysteme zu schaffen, die sich selbst erhalten können, sich gegenseitig von Nutzen sind.Eine hohe Vielfalt von Pflanzen und Tieren hält den Perma-Kreislauf stabil, so dass auf externe Veränderungen wie Trockenheit, Kälte oder Schädlinge reagiert werden kann.

Ein kleines Beispiel für Permakultur: Tomaten sind Schlingpflanzen, die in die Höhe wachsen, Basilikum gedeiht im Halbschatten, kann also wunderbar unterhalb der Tomatenstauden gepflanzt werden. Dazu kommt, dass Basilikum einen intensiven Geruch verströmt, den Tomatenschädlinge nicht mögen. Perfekte Symbiose. Schenkt man dazu Weinreben als Dach, schützt dieses an zu heißen Tagen vor Hitze und spendet Feuchtigkeit. Alles wirft Ertrag ab und jede Pflanze spielt ihre Rolle im Ökosystem.

Schade, dass sich unsere Politiker derart von der Industrie vorführen lassen und in Sachen Umweltpolitik kaum noch einen guten Plan umsetzen.