Restaurant und Weingut am Nil, Pfalz

Restaurant und Weingut am Nil, Pfalz

Hätten wir’s nicht besser gewusst – der Pfalz hätten wir ein Foto dieses Restaurants nicht zugeordnet – eher Hamburg oder München. Auf der Terrasse ist die Region dann offensichtlich, denn der Blick führt über Kirchturmspitze und kleine Gassen in die Weinberge. Im September 2010 bekam der Kallstadter Traditionsbetrieb Eduard Schuster neue Inhaber – Ana und Reinfried Pohl – und einen neuen Namen: Weingut am Nil. Der charakteristische Name stammt von einer alten Parzelle namens „Nil“.

Autor Sabine Ruhland, Foto ©Foodhunter

Zum grandios opulenten Ambiente, das klassischen Pfalz-Besuchern, stets auf der Suche nach der scheinbar authentischen Weinstube, streitbare, rote Köpfe verleiht, kommt der exzellente Service von Restaurantleiter Manuel Diehl und seinem Team, dem anzumerken ist, dass ihre Gastfreundlichkeit im Weingut am Nil nicht aufgesetzt ist, sondern von Herzen kommt.

Weingut am Nil Pfalz Kallstadt, foodhunter

Sardinen, Pimientos und Chorizo. Die Pfalz zeigt sich kulinarisch kosmopolitisch.

Die Speisekarte macht deutlich, dass die neuen Besitzer der Welt gegenüber offen sind – die Hotelgruppe Villa Vita gehört zu ihrem Portfolio – weshalb Pimientos de Padrón ebenso zu lesen sind wie „kross gebratene Alentejo-Chorizo mit Sippels Erdbeerschnaps am Tisch flambiert und tranchiert“, was dem Foodhunter sogleich eine Bestellung wert ist. Das Spektakel um die in Flammen stehende  Wurst wirklich eine Show für die halbe Terrasse.

Die Chorizo zeugt von feinem Metzgerhandwerk, ist aber leider trocken, da über den Garpunkt gebraten – und damit von erhöhtem Salzgehalt. Vom Schnaps blieb leider kein Hauch Erdbeergeschmack. Dazu gibt es exzellentes Brot – im Ganzen eine etwas trockene Angelegenheit, eine raffinierte Sauce wäre wünschenswert gewesen.

Weingut am Nil Pfalz Kallstadt, foodhunter

Grandios die eingelegten Sardinen. “Das Beste kommt manchmal eben doch aus der Dose“, meinte der Foodhunter scherzhaft. Dazu geröstetes Brot, genial einfach und einfach genial. Der Pata Negra Iberico Schinken zeigt sich kulinarisch erwartungsgemäß, wird allerdings nicht von Hand geschnitten und schlägt mit 18,90 Euro für ca. 50 Gramm zu Buche.

Der Elsässer Flammkuchen ist optisch reizvoll, lässt aber die erhoffte rahmig-sündige Saftigkeit vermissen. Als Dekoration dominanter rosa Pfeffer – muss nicht sein.

Alle unsere – im besten Sinne konstruktiv gemeinten Kritikpunkte – hat Manuel Diehl aufmerksam entgegengenommen, den Wein als Dankeschön hingegen von der Rechnung gestrichen. Fazit: wir mögen diesen Platz „am Nil“, weil er den Gästen ein Wohlgefühl vermittelt, unkompliziert ist und richtig Spaß macht. Und der Rest? Nun, das ist lediglich Feinjustierung und Manuel Diehl wird sich sicher darum kümmern.

Weingut am Nil
Neugasse 21
67169 Kallstadt, Pfalz
Öffnungszeiten Restaurant
Mi – Fr 16 bis 22 Uhr
Sa 15 bis 22 Uhr
So 12 bis 21 Uhr

www.weingutamnil.de

Weingut am Nil Pfalz Kallstadt, foodhunter