Absinth. Die grüne Stunde

Absinth. Die grüne Stunde

“Absinthe has a wonderful color, green. A glass of absinthe is as poetical as anything in the world.” Voll des Lobes waren sie, die van Goghs, Picassos oder Hemingways. Ergaben sich dem süßen Rausch der grünen Fee.  

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter

 

Im Keller, den man über eine schmale Stiege erreicht, liegt ein mächtiges Gewölbe, geschwängert von den Geschichten, die das Getränk aus Wermut angeblich im halluzinogenen Rausch erzeugt.

Maler, Künstler, Schriftsteller, sie alle trafen sich einst zur „grünen Stunde“, denn bereits um 1890 galt das Trinken von Absinth zwischen 17 und 19 Uhr als schick. Wir sind in der Absinthe Bar in Antibes an der Côte d’Azur (25 cours Masséna), und wollen und berauschen lassen.

 

Absinthe Bar in Antibes an der Côte d'Azur

Absinthe Bar in Antibes an der Côte d'Azur

 

Auf den schlichten Holztischchen Tischen stehen hohe Wasserbehälter, jeder in anderem Design, aber alle mit mehreren Wasserhähnen. Gefüllt werden sie mit kaltem Wasser. Dann wird serviert. Ein Glas Absinth, begleitet von einem speziell geschlitzten Absinth-Löffel und Zuckerstücken.

 

„Den Löffel mit einem Stück Zucker belegen und ihn dann auf dem Glasrand platzieren. Das Glas unter einen der kleinen Wasserhähne schieben, sachte aufdrehen und das Wasser Tropfen für Tropfen über den Zucker rinnen lassen“, wird uns die Prozedur erklärt.

 

Gesagt, getan – ein Ritual, das Spaß macht, denn jeder Tropfen des gezuckerten Wassers, der in das Glas taucht, hinterlässt eine milchig-trübe Spur – und ja, man starrt schon ein bisschen bekloppt auf diese Schlieren und ihr Tanzen. Als unser Absinth schließlich insgesamt eine milchig-grünliche Färbung hat, ist er trinkbereit. Am Nachbartisch setzen sich einige Gäste gerade neckisch ein paar Hüte auf den Kopf, die überall in der Bar herumliegen. Alles nur Absinth? Wer weiß das schon.

 

 

Absinthe Bar in Antibes an der Côte d'Azur

 

Gut zu wissen

 

  • Absinth wird aus Wermut, Anis, Fenchel und verschiedenen Kräutern hergestellt. Das können sein: Angelika, Ysop, Zitronenmelisse, Muskat oder Wacholder, Minze oder Melisse.
  • Absinth hat verschiedene Farben, von glasklar über Gelb bis Grün. Franzosen nennen ihn deshalb auch „die grüne Fee“.
  • Die “Fee” erschien einem sogar manchmal, denn früher war einer der Hauptbestandteile Thujon, ein Nervengift, das zu Verwirrtheit führen. – Keine Bange, dieser Inhaltsstoff findet sich heute nur noch in geringsten Mengen im Absinth.
  • 45 und 85 Volumen-Prozent, das hat Power. Also nur ein Glas, das reicht dann schon.
  • Zu den berühmten Absinth-Trinkern zählen kreative Köpfe: Paul Gaugin, van Gogh, Hemingway oder Edgar Allan Poe.

 

Absinth