Das Öffnen eines Schatzes: Château Petrus 1979

Das Öffnen eines Schatzes: Château Petrus 1979

Jahrelang ein gut gehüteter Schatz des privaten Weinkellers, der Château Petrus 1979. Kein Anlass schien angemessen genug, diese Flasche zu öffnen. Weihnachtstage kamen und gingen, Geburtstage, selbst die runden, verstrichen, ohne dass je diese Flasche berührt worden wäre. Was tun – aufbewahren oder endlich trinken? 

 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©Foodhunter

 

Die foodhunterin – Neugierde ist uns Frauen angeboren – wollte endlich aus dieser legendären Flasche kosten. Rein beruflich, man muss ja wissen, worüber man schreibt. .„Die wird nicht aufgemacht!“ Letzter Versuch von Dirk Vangerow, seine geliebte Flasche unter Verschluss zu halten.

„Trinken Sie ihn ruhig, er wird nicht besser“, empfahl ein befreundeter Weinkenner. Ein anderer meinte gar: „Unbedingt trinken, denn es war kein wirklich guter Jahrgang.“ Ernüchterung beim Flaschenbesitzer. „Ja, dann.“

Kurz vor dem großen Moment stellte der Sommelier der Queen Mary genau diesen Jahrgang in einer Fernsehreportage vor. 2.500 Euro muss berappen, wer den Château Petrus 1979 auf dem Luxusliner genießen will. Einen solchen Wert einfach ins Glas schütten…? Der Besitzer windet sich ein letztes Mal. Doch sein Ja war bereits gesprochen

 

Auch wenn wir das Glück haben, viele große Weine verkosten zu dürfen, ein so alter Jahrgang hat etwas Mystisches. Schließlich weiß niemand, was ins Glas fließt:
Gutes, Schlechtes, Mittelmaß oder gar Sensationelles?

 

Behutsam wird die Kapsel geöffnet, der Korken gezogen. Der Wein darf atmen. Dann endlich fließt der Inhalt ins Glas. Dunkelrot, fast bräunlich die Farbe. Das erste Schnuppern. Ein Hauch von Pferd. Und Torf. Der erste Schluck. Geschmack eher wildig und erdig. Kein leichter Genuss.

 

 
 
 

„Man merkt, er ist ein Sohn aus gutem Hause, aber er hat seine beste Zeit schon mindestens fünf Jahre hinter sich.”  Getrunken wird er an diesem Abend trotzdem, kredenzt zum Reh.

 

Das Fazit? „Ich hätte ihn nie geöffnet“, sagt Dirk Vangerow. „Dann hätte ich die Illusion gehabt, einen vielleicht wunderbaren Wein zu besitzen.“

Die vorher so hartnäckig pochende Redaktion wird kleinlaut, denn jetzt verstehen wir sie, die Weinsammler, denen das Erwerben und Besitzen alter Weinflaschen so viel wichtiger ist als das Trinken derselbigen. Sie ersehnen ein Geheimnis, eine Magie, einen unantastbaren Schatz.

Lieber Dirk, die nächste alte, feine Flasche – mit einem unsicheren Jahrgang! – musst du nicht mehr öffnen, versprochen. Obwohl, was ist eigentlich mit dieser alten Champagnerflasche …. Dom Perignon Vintage 1985? – Wir werden es wohl nie erfahren.