Der Mohn des Waldviertels, ein Sommer-Reich

Der Mohn des Waldviertels, ein Sommer-Reich

Wer ein feines Gehör hat hört es knistern. Tausende winziger Kügelchen, die in ihrer Raumkapsel durch den Sommer fliegen. Mohn. Die Zeit ist reif. Die Kapseln prall gefüllt und es gibt nur noch eine blasse Erinnerung an die Blütezeit, als der knallrote Klatschmohn wenige Tage lang mit dem glühenden Abendrot am Himmel um die Wette flammte.

 

Autor Sabine Ruhland,
Fotos ©foodhunter

 

Kaum noch entdecken wir sie, die vollroten Klatschmohnfelder, die uns früher in bunter Abwechslung mit Sonnenblumen, Gerste, Weizen oder dicken Kohlblättern am Wegesrand häufig begegnet sind. Nur noch Mais und Monokultur wo einst  Vielfalt herrschte.

Unser Tipp für Food-Romantiker: das österreichische Armschlag, berühmt als Mohndorf. Nichts was hier aus und vom Mohn nicht gibt.

 

Für den Ort Armschlag im Waldviertel sind die Mohnfelder, was der Lavendel für die Provence ist.

 

Ein Naturschauspiel in verschwenderischer Farbintensität. Maximal 14 Tage tauchen die Klatschmohnfelder tief in den Farbkasten, wobei jede Blüte nur einen Tag lang erstrahlt. Dann ist es vorbei. Sind die Blütenblätter abgefallen, bleibt nur noch eine kleine grüne Kapsel, stolz genug königliche Zacken wie ein Krönchen in die Höhe sprießen zu lassen.

Drei bis vier Wochen verstreichen, das Grün wird zu Braun, die Blätter als Schutz um die Kapsel verwelken langsam, doch im Inneren tut sich was. Die Mohnsamen lösen sich von den Wänden. Es rieselt und raschelt in der Kugel. Der Experte weiß: jetzt ist Erntezeit. Der Mohn wird eingefahren. Am 17. Juli war es so weit.

 

 

Abgeschnitten auf eine Länge von 20-30 cm, in handliche Bündel verschnürt landen die verkapselten Blüten kopfüber in der Scheune. Die Kapsel springt auf, entlässt ihre Samen und der Mensch fängt sie auf.

Da ist er nun, der Mohn, den viele nur noch als lästige „Zwischen-den-Zähnen-klebende Körnerei“ betrachten. Dabei ist vor allem der Weinviertler Graumohn etwas Besonderes, galt von jeher als wertvolles Handelsgut. Jetzt liegt es an uns, aus diesen kleinen Luxuskügelchen etwas Exquisites zuzubereiten. Eines unserer Lieblingsrezepte ist der Mohnkuchen von Küchengötter

www.kuechengoetter.de/rezepte/Kuchen/Mohnkuchen-2318346.html

Gut zu wissen

  • Im Waldviertel werden jährlich zwischen 200 und 700 Hektar Mohn angebaut.
  •  Mohn wird je nach Farbe der Samen in drei Sorten eingeteilt
    Blaumohn: besitzt ein herbes und intensives Aroma und passt besonders gut für pikante Mohnspeisen
    Graumohn: seine Samen sind sehr zart und mild und eignen sich daher gut für süße Mehlspeisen, er wird vor allem im österreichischen Waldviertel angebaut und verwendet
    Weißmohn: eine seltene Sorte, die sich aufgrund seines nussartigen Geschmacks hervorragend für Desserts und süße Zubereitungen eignet
  • Mohn enthält etwa 42 % Fett und gehört zur Lebensmittelgruppe Nüsse und Samen, die generell fettreich sind.
  • Mohn besitzt wertvolle Inhaltsstoff wie die Aminosäuren Leucin und Lysin.
  • Damit ist Mohn sehr gut in Kombination mit Getreide und Kartoffeln geeignet, weil sich dadurch die biologische Wertigkeit des vorhandenen Eiweiß erhöht.
  •  Außerdem enthalten die Samen reichlich Mineralstoffe, wie Eisen, das der Körper für den Sauerstofftransport im Blut benötigt oder Kalzium, das wir für die Knochenbildung und Blutgerinnung brauchen. Auch Phosphor, Kalium und Magnesium sind im Mohn enthalten.
  •  Die Verwendung von Mohn ist vielseitig. Am einfachsten ist, ihn einfach über ein fertiges Gericht zu streuen, z.B.: Gebäck, oder auch für das Panieren von Fisch oder Fleisch.
  • Die häufigste Anwendung findet Mohn in gemahlener Form. Er kann so für diverse Mehlspeisen (Mohnnudeln, Germknödel, Stollen, etc.) verwendet werden.
  • Per Kaltpressung wird aus Mohn auch ein köstliches Speiseöl gewonnen: “weißes Mohnöl” mit seinem nussigen Geschmack eignet sich zur Verfeinerung von Salaten, Rohkostgerichten und Suppen. Mohnöl sollte nicht über 170° C erhitzt werden, es ist daher nur bedingt zum Kochen und Backen geeignet.