von foodhunter
Kategorie: Regional & Delikat

Münchner Kindl Senf – so muss Senf schmecken

Münchner Kindl Senf - so muss Senf schmecken

Die meisten Verbraucher wissen gar nicht, wie ein frischer Senf schmeckt, sagt Theo Hartl vom ‚Münchner Kindl Senf’. Denn das Verflixte am Senf sei, dass sich seine Schärfe nicht haltbar machen lässt.

 

Was kauft der Verbraucher dann, wenn er im Supermarkt zum Senf greift? „Im Grunde ein gewollt ‚gealtertes’ Produkt“, sagt der Senfmacher, dessen Familie schon in den 20er Jahren den Viktualienmarkt mit dem ersten Weißwurst-Senf belieferte.

 

Autorin Sabine Ruhland,
Fotos ©foodhunter

 

Zunächst muss man über Senf wissen: das Korn schmeckt nach nichts. Erst in Verbindung mit Wasser respektive Speichel und dem Vermahlen fermentiert es und setzt sein ätherisches Öl frei.

 

Dieses so genannte Allylöl ist verantwortlich für die Schärfe. So schnell sie kommt, so schnell verflüchtigt sie sich auch wieder.

 

 

Senfschärfe zieht wie Meerrettich über die Nase ab und – sie tut nicht weh“, erklärt Theo Hartl. „Im Gegensatz zu Chilis, deren Schärfe langanhaltend und brennend ist und die auch höllische Schmerzen verursachen kann.“

 

senf, foto foodhunter

 

Das einerseits Positive am Senf ist zugleich das Negative für die Hersteller, denn die Senfschärfe lässt sich nicht konservieren. Ob Tube, Glas oder Tontopf, nach ca. drei Monaten hat sich die Senfschärfe verflüchtigt. Der Senf wird muffig.

 

Die einzige Lösung: den Verbraucher auf den Geschmack eines ‚alten Senfs’ zu eichen, also ein vornherein gereiftes Produkt in die Regale zu bringen. Verwerflich ist daran nichts, der Kunde verlangt schließlich nach dem stetig gleichen Geschmack. Frischer Senf in den Supermarkt-Regale würde je nach Herstellungsdatum unterschiedlich schmecken.

 

Senf ist eines der schwierigsten Lebensmittel“ erklärt Theo Hartl, „und wenn überhaupt, dann lässt sich seine Schärfe nur durch dauerhaftes Kühlen etwas länger erhalten. Trotzdem ist Senf auch eines der billigsten Lebensmittel, weshalb die Supermärkte keinen kostbaren Platz im Kühlregal dafür opfern.“

 

Um die Schärfe einzufangen hat Theo Hartl viel experimentiert, wollte das für die Schärfe verantwortliche Allyl-Senföl auf biologischer Basis herstellen, um es dann dem Senf zuzufügen. „Ist uns sogar gelungen“, lacht er. „Aber wer ist am Ende schon bereit für ein Kilo Senf rund 36 Euro zu bezahlen, das hätten wir nämlich in etwa verlangen müssen.“

 

 

 

„Tradition begründet sich nicht im Verwenden alter Gerätschaften. Das wird immer gerne erzählt, ist aber keinesfalls ein Qualitätsmerkmal.“

 

Mango, Feige, Maulbeere, Kürbiskern, Orange. Ingwer, Estragon, Rosmarin, Kapern. Kräuter, Früchte, Whisky oder Wein. Scharf, mittelscharf, süß. Grobkörnig oder cremig. Unzählige Sorten, unzählige Geschmacksrichtungen. „Wir arbeiten ausschließlich mit Bio-Qualitäten und verwenden keine künstlichen Aromen“, erklärt Theo Hartl. „Alles machen wir kleinen Auflagen und in Handarbeit.“

 

Daran will der Chef der Münchner Traditions-Senfmühle auch nichts ändern, kein Global Player werden. „Groß sein, das heißt auch immer billig sein. Ich will aber Qualität, möchte, dass es meinen Mitarbeitern gut geht und wir kreative Produkte herstellen können. Unsere Kleinheit ist unser größter Aufwand.“

Mayonnaise stellt die Senfmühle im Münchner Westen her, natürlich mit Bio-Zitronen, dazu Salatsoßen und Senfe aller Art. Im  Handumdrehen kommt die jeweilige Mahl-, Rühr- oder Abfüllmaschine zum Einsatz.

 

„Wir sind die Einzigen, die bei Bedarf auch nur 200 Kilo abfüllen oder für Kunden ganz eigene Sorte herstellen. Unser Maschinen-Fuhrpark ist so vielseitig wie variabel.“

 

Senf, Foto Foodhunter

 

Von traditioneller Senfmühlen-Romantik allerdings keine Spur. Modern, weiß, clean. Theo Hartl schmunzelt, erzählt von der Begegnung mit einem Koch, der auf einer Veranstaltung einst die hohe Qualität eines Senfes lobte, hergestellt mit alten Pressen.

 

Das war’s dann aber auch schon. Der Senf ansich hatte wenig zu bieten. Das mit der Tradition wird gerne auf alten Gerätschaften begründet – sozusagen als Qualitätsgarant. Aber auch Innovation ist Tradition, wenn Werte wie Qualität, Nachhaltigkeit und Kreativität Basis sind. So wie bei uns. Wir kaufen beispielsweise kein Senfmehl aus der Ukraine, obwohl es billiger wäre. Wir haben unsere eigenen Senffelder in Pfaffenhofen. Biologischer Anbau. Wir machen unseren Branntweinessig selbst und fügen niemals künstliche Aromen zu.“

 

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