Immer im Oktober: Bregenzwälder Käseherbst

Immer im Oktober: Bregenzwälder Käseherbst

Alpabtrieb in Schwarzenberg, Alpkäse-Prämierung im Angelika Kaufmannsaal und Kuchenspezialitäten in der Holzschachtel des Cafes Angelikahöhe. Im letzten Jahr hat Foodhunter Rudolf Danner die schönsten Geschichten aus dem Bregenzerwald und rund um den Bregenzwälder Käseherbst mitgebracht. – In diesem Jahr noch bis 31. Oktober. 

 

Autor Rudolf Danner, Fotos Foodhunter

 

Schwarzenberg im Bregenzer Wald Der Dorfplatz mit Brunnen und historische Gasthäuser bilden die Kulisse für eine spektakuläre Inszenierung. Die Freilichtbühne ist der Scheideplatz. Hier scheiden sich aber weder die Geister noch werden Ehen geschieden, Hauptdarsteller sind Säuger aus Fleisch und Blut, etwa 2000 Rinder, Kälber, Schafe und Ziegen, die nach Monaten in der Sommerfrische auf den Hochalpen von der Herde abgeschieden ihren Besitzern wieder zugeteilt werden.

 

11 Alpen und über 2000 Viecher – eine gigantische Show

 

Die 1900 Schwarzenberger Wäldler rüsten sich Mitte September für den „Tag des Jahres” – Pflichttermin seit 400 Jahren für alle Einheimischen und  Wunschprogramm für die vielen Touristen. Die Juppetracht hat Ausgang, die Gasthäuser harren dem Ansturm, Zufahrtsstraßen werden gesperrt, das Bähnle begleitet auf Sonderfahrt mit Holzklassewaggons, gezogen von einer  80  Jahre alten schwarzen Dampflok, die Herden zum Scheideplatz. Mitten im Dorf warten  Zuschauer auf das Eintreffen der ersten Alpe.

11 Alpen mit  über 2000 Kühen, Kälbern, Schafen und Ziegen kündigen über den Tag verteilt ihre Ankunft bereits von weitem mit Glockenkonzert und Muhgebrüll an. Bis zu 10 Stunden, zum Teil auf gefährlichen steilen Pfaden und in Reihe von den Hochalpen talabwärts getrieben, sind sie schon unterwegs. Festlich aufgebüschelt, die Köpfe  mit bunten Bändern und geflochtenen Kränzen aus Tannengrün geschmückt, die Schwänze toupiert, riesige Festglocken baumeln am breiten Lederband.

 

„Im Frühjahr freuen wir uns, wenn‘s hinaufgeht und im Spätsommer, wenn‘s heruntergeht“

 

Nicht weniger herausgeputzt die Älpler: In Lederhosen, den Hut mit Rosmarinzweigen, Rosen, Nelken und Federn verziert, dirigieren sie mit langen Holzstecken ihre Herden. Einige Familien mit Kind und Kegel haben fast ein halbes entbehrungsreiches Jahr auf der Alpe verbracht  „Im Frühjahr freuen wir uns, wenn‘s hinaufgeht und im Spätsommer wenn‘s heruntergeht“, sagen sie. Ein Spektakel für die Zuseher, ein harter Job für Älpler und Bauern, wenn gegen Abend nach 9 Std.Gehzeit z.B. die  größte Alpe Schadona mit 555 Jungvieh und über 1000 Schafen auf dem Dorfplatz eintrifft. Jetzt gilt es Hunderte von Kühen und störrische Kälber an die jeweiligen Besitzer  zu verteilen. Den Tieren ist der Dorfbrunnen eine willkommene Tränke und die Älpler haben sich anschließend ihr traditionelles Essen nach altem Brauch in den Gasthäusern redlich verdient.

Man spürt die enorme lebensgrundlegende Bedeutung der Milch- und Fleischlieferanten, zollt dem Vieh Respekt und Anerkennung. Der Alpabtrieb beschließt den Zyklus der Dreistufenlandwirschaft (Heimbetrieb-Vorsäß-Hochalpe), immaterielles –UNESCO Welt Kulturerbe und Voraussetzung für die Milch-und Käseproduktion. Um das Vieh ganzjährig mit silofreiem Futter zu versorg reicht die hofeigene Fläche meist nicht aus. So ziehen die Familien oder Teile davon im Spätfrühling vom Hof zunächst auf die Vorsäß, eine niedriger gelegene Alm, um dann Anfang Juli auf die Hochalpe zu wechseln.

 

Ein paar beeindruckende Zahlen …

 

40.000 Stück Vieh wird in Vorarlberg von 1000 Älplern in den Bergen gehalten, 530 bewirtschaftete Almen gibt es. Auf 130 Sennalpen werden 9000 Milchkühe gealpt und 500 t Käse produziert. Allein die Sennerei Schwarzenberg verarbeitet täglich 15.000 bis 45.000 kg Milch von bis zu 500 Lieferanten zu Käse und Butter. So entstehen jährlich aus etwa 10 Millionen Liter Milch 450 t Bergkäse, 550 t Schnittkäse  und 100 t Butter.

 

Dampflok, Bregenzerwald, Foto Foodhunter

Älper, Foto Foo,dhunter

Bregenzwälder Käseherbst, ALPABTRIEB in Bregenz Almabtrieb, Foto Foodhunter

Die größte Heukäseprämierung

 

Gleich nebenan im Angelika Kaufmannsaal, wo zweimal im Jahr die berühmte Schubertiade (das weltgrößte Schubertmusikfestival) stattfindet, wartet der kleine Ort zum 9. Mal mit einem weiteren Superlativ auf: die größte Heukäseprämierung.

160 Sorten aus silofreiem Rohmilchkäse haben die Sennereien eingereicht, eine30köpfige Fachjury  prüft, begutachtet, probiert und prämiert die verschiedenen Alp- Berg- und Schnittkäse. Die Besucher können sage und schreibe alle Sorten der Senner  vor Ort probieren, kaufen und ihr Votum auch zu den bereits prämierten Sortensiegern abgeben. Konsistenz (von cremig geschmeidig bis schmelzend und zerfließend), Mundgefühl (von glatt, mollig bis samtig-seidig) und Teilchengröße (von kristallin, krümelig bis mürb und sandig) sind entscheidende Kriterien. Natürlich werden auch Kategorien wie Duft, Aromen und Geschmack (fruchtig pflanzlich wie Jungholz, Blumenwiese Marzipan Honig Zitrusfrüchte oder milchig-rahmig wie Buttermilch, Sauerrahm-Joghurt, oder malzig-röstig wie helles Karamell, Leder, Kaffee und geröstete Brotsorten) auf dem Verkostungsformular bepunktet.

So lässt sich etwa der hochprämierte Vorarlberger Alpkäse wie folgt beschreiben: „Im Duft dominieren geröstetes Weißbrot und Malz. Buttermilch sorgt für eine milchige wie feinsäuerliche Komponente. Charmant abgerundet wird dies durch Honig, Muskat und Heu. Ähnlich erweist sich der Gaumeneindruck mit feinem Malz und hellem Karamell, was je nach Reifegrad  in dunkleres Karamell übergeht. Hinzu kommen Walnuss, und gekochte Erdäpfel, reife Zitrusfrüchte sowie rahmige Anklänge. Die Textur ist schön kompakt und mürb und zeigt sich am Gaumen wunderbar geschmeidig. Im Ausklang  verbleibt ein keckes Spiel von Süße und Salz.“

Almkäse, Foto Foodhunter

So lässt sich etwa der hochprämierte Vorarlberger Alpkäse wie folgt beschreiben: „Im Duft dominieren geröstetes Weißbrot und Malz. Buttermilch sorgt für eine milchige wie feinsäuerliche Komponente. Charmant abgerundet wird dies durch Honig, Muskat und Heu. Ähnlich erweist sich der Gaumeneindruck mit feinem Malz und hellem Karamell, was je nach Reifegrad  in dunkleres Karamell übergeht. Hinzu kommen Walnuss, und gekochte Erdäpfel, reife Zitrusfrüchte sowie rahmige Anklänge. Die Textur ist schön kompakt und mürb und zeigt sich am Gaumen wunderbar geschmeidig. Im Ausklang  verbleibt ein keckes Spiel von Süße und Salz.“

Foodhunter-Genießer-Tipp Cafe Angelikahöhe

In mehrfachem Sinne ausgezeichnet ist auch das nur wenige Meter entfernte Cafe Angelikahöhe. Erstaunen beim Betreten des alten Wäldlerhauses: Innenarchitektonisch gelungen, modern puristisch und funktional eingerichtet erinnert das Cafe an eine völlig mit hellem Weißtannenholz verkleidete riesige Zündholzschachtel. Keine Überraschung, dass man das  Bregenzwälder Holzschmuckkästchen  von Gabi Innfeld in einem  internationalen Bildband über die besten Cafes der Welt von London über Las Vegas bis eben Schwarzenberg wiederfindet. Mit ihrer Schwester Wilma Zündl fertigt sie täglich hausgemachte Kuchen und Torten-herausragend und alle Sünden wert die Walnuss-Karamelltorte—und den wenigen Kuchenverächtern wird ein Klassiker wie einst vor 50 Jahren zur Eröffnung angeboten Toast Hawaii-Purer Genuss, Nostalgie und moderner Style im Cafe Angelikahöhe. www.angelikahoehe.at