von foodhunter
Kategorie: Esskultur / Reise / Restaurants

Rouen – Unesco Creative City of Gastronomy

Rouen – Unesco Creative City of Gastronomy

Rouen ist nicht nur die „Stadt der 100 Kirchtürme“ und der pittoresken Fachwerkhäuser, sondern trägt auch das Label der UNESCO als „Creative City of Gastronomy”, manifestiert im „Club de Toques”, einer Vereinigung engagierter Köche, die klassische französische mit moderner kreativer Kochkunst vereinen und dabei regionale Produkte in den Vordergrund stellen.

 

 

Autorin Sabine Ruhland
Fotos © foodhunter

 

Käsespezialitäten wie Camembert, Livarot, Pont-l’Évêque oder der herzförmige Neufchâtel. Süßes wie Apfelkuchen, Larmes de Jeanne d’Arc, Confiture de Lait (Milchkaramell) oder Mirliton. Herzhaftes wie Canard à la Rouennaise oder meeresfrische Spezialitäten wie Jakobsmuscheln und über allem der Club de Toqués (Vereinigung von Spitzenköchen in der Normandie) – Rouen präsentiert die Kulinarik der Region auf vielfältige Weise.

Das überzeugte auch die UNESCO, die Rouen als bislang erster und einziger französischen Stadt das Label „Creative City of Gastronomy” verlieh. Wir haben einige appetitanregende Tipps für Sie.

 

Ein Küchlein mit unvergesslichem Schmelz  – der Mirliton

 

Das im Grunde einfache, aber raffinierte normannische Küchlein genießen Sie am besten lauwarm, frisch aus der Bäckerei „Ma Boulangerie“ von Christophe Cressent, Meilleur Ouvrier de France und Mitglied des „Club des Toques“.Weich die Konsistenz, delikat der Mandel-Vanillegeschmack mit einem Haus Orange. Das perfekte Finish eines guten Essens oder die Begleitung zum morgendlichen Kaffee. 2x in Rouen: 6 Place du Vieux-Marché und 44 Rue Armand Carrel.

 

 

Apropos Kaffee – den besten gibt es bei Anne Caron

 

Anne Caron ist eine Frau voller Leidenschaft für Kaffee, seine Herstellung und die Menschen, die ihn anbauen. Nachhaltigkeit, Naturschutz, faire Bezahlung und feinste Röst-Qualität waren ihr immer ein Anliegen. 2023 wurde Anne Caron als „Meilleur Ouvrier de France“ (Beste Kunsthandwerkerin Frankreichs) im Bereich Kaffeeröstung ausgezeichnet, nachdem sie bereits 2017 als erste Frau den Wettbewerb „Bester Kaffeeröster Frankreichs“ gewonnen hatte.

In ihrem Geschäft in der Rue Rollon Nr.5 in Rouen tauchen die Kunden ein in ihre Welt, können Kaffee vor Ort genießen, zubereitet nach allen Regeln der Kunst und Kaffee kaufen, der sensibel in der hauseigenen Rösterei nahe Paris zu Vollendung gebracht wird.

 

Bourbon Pointu ist eine seltene Kaffeespezialität mit geringen Erträgen. Gedeiht auf La Réunion und vereinzelt auch in Guatemala.

 

Der perfekte Lunch – Restaurant L’incontournable

 

Auf dem Place du Vieux Marché befindet sich das Restaurant „L’incontournable“ von Èric Autin. Während die meisten Touristen in das benachbarte und legendäre Restaurant La Couronne pilgern – von dessen Fenstern aus die Zuschauer einst das Spektakel um die Hinrichtung von Jeanne d’Arc beklatschten – ist L’incontournable ein Insider-Tipp.

Èric Autin. gehört ebenfalls zum Club des Toqués, weshalb seine Karte regional geprägt ist – er kocht, was Saison hat und in erstklassiger Qualität den Weg zu ihm findet. „Meine Gerichte spiegeln unser lokales Terroir und regionale Erzeugnisse wider. Originalität und ein harmonisches Zusammenspiel der Aromen sind mir wichtig. Meine Gäste sollen sich wohlfühlen.“ Mit dem bunt-fröhlichen Ambiente, der offenen Küche, den ausgewogenen Gerichten ohne Schnickschnack und der unkomplizierten Gastfreundschaft schafft er das auch. Tipp: 3-Gänge Mittagsmenü für 27 €.

 

Die Vorspeise: Sieht einfach aus, ist es auch, aber jede einzelne Komponente ist von bester Qualität. Soulfood.

 

Vegetarier im Glück – Le Palais du Fruit

 

Vor 40 Jahren übernahmen die Eheleute Monville einen kleinen, zuvor von zwei Spaniern geführten Gemüseladen im historischen Zentrum von Rouen und waren von Anfang an spezialisiert, Früchte und Gemüse in einer Vielfalt und Qualität anzubieten, die sonst auf den Märkten nicht zu finden ist. Inzwischen ist „Le Palais du Fruit“ (Palast der Früchte) ein wunderbarer Feinkostladen mit exotischen Produkten, Trockenfrüchten, selbst gemachten Konfitüren, aromatischen Kräutern, Tapenaden und Anchoïades sowie exquisiten Gewürzen. Zubereitungstipps gibt es auf Wunsch gerne dazu. Ein Dorado für Hobbyköche. Rue Rollon 9, Rouen.

 

 

140 Jahre Süßwarentradition – Bonbons Barniers

 

Das süße Schlaraffenland befindet sich genau neben dem Torbogen der Gros Horloge, der berühmten astronomischen Großuhr aus dem 14. Jahrhundert, einem der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Seit 1885 ist Bonbons Barnier berühmt für seine unvergleichlichen Kreationen aus eigener Produktion. In Frankreich kennt jeder, der in der Feinkostbranche tätig ist, die Marke Barnier. Wir schwelgen in den Bergen einzigartiger klassischer französischer Bonbons – von Berlingots (Hartkaramell) mit Lavendel und Veilchen bis zum Butterkaramell mit Meersalz. Ja, die feinen Süßwaren haben ihren Preis, aber jeder Bissen entschädigt …. 100 g ca. 3.50-4,50 €. Rue du Gros Horloge.

 

 

Club de Toqués – Käse-Affineur Daniel Bourgeois

 

Am „Place du Vieux-Marché”, jenem Ort, an dem 1431 die 19-jährige Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, befinden sich heute die „Halles du Vieux-Marché”. Käse-Affineur Daniel Bourgeois, der ebenfalls dem Club de Toques angehört, hat hier seinen Stand. Normannischer Camembert, Livarot, Pont-l’Évêque oder der herzförmige Neufchâtel, den es in verschiedenen Reifegraden gibt – Daniel weiß über alle Käse der Normandie etwas zu berichten. Ein Muss für Käseliebhaber.

 

 

 

Rouen im Oktober – eine Stadt im Sinnesrausch: Fête du Ventre 

 

Das Fest des Bauches (Fête du Ventre) der normannischen Gastronomie wurde schon in den 1930er Jahren gefeiert und vor einigen Jahren von der  Vereinigung Rouen Conquérant wiederbelebt. Wie jedes Jahr findet der Markt im Viertel Vieux-Marché, auf dem Place de la Pucelle, in der Rue Rollon, der Rue Guillaume le Conquérant, der Rue aux Ours und der Rue Jeanne d’Arc statt.

Nicht weniger als 155 Aussteller bieten ihre regionalen Erzeugnisse an: Käsespezialitäten, Fischereierzeugnisse, Schnecken, Obst und Gemüse, Andouille und andere Wurstwaren, aber auch Safran, Senf, Wein Schnecken und viele weitere normannische Geschmacksrichtungen.

 

Rouen-a-table-photo-David-Morganti, Rouen Tourismus
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7.-11. Oktober 2026. Rouen à Table ergänzt das Fest des Bauches  

 

Rouen à Table! ist das große gastronomische Ereignis, das jedes Jahr im Oktober zusammen mit der Fête du Ventre und der Normandie-Gastronomie stattfindet. Diese Veranstaltung feiert die Kochkunst in all ihren Formen: außergewöhnliche Dinner, Workshops, Gourmet-Rallyes, Vorführungen und Treffen, bei denen Köche, Handwerker und Produzenten zusammenkommen.

Rouen à Table ist eine Ode an den Austausch und die Entdeckung lokaler Geschmäcker, ein besonderer Moment, in dem regionale Produkte, Tradition und Kreativität miteinander verschmelzen. Die Veranstaltung ist für alle offen und bringt Gastronomen, Händler, Hotelfachschulen und Akteure der Region zusammen, wobei sie durch den Austausch mit dem Netzwerk der UNESCO Creative Cities auch eine internationale Dimension aufweist.

 

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