von foodhunter
Kategorie: Weine & Destillate

Claus Burmeister: der Rebenflüsterer von Heitlinger

Claus Burmeister: der Rebenflüsterer von Heitlinger

Die Erfolgsstory beginnt mit dem Visionär und gebürtigen Kraichgauer Heinz Heiler. Der erfolgreiche Unternehmer kauft Anfang der 2000er Jahre das Traditionsweingut Heitlinger und wenige Jahre später das Weingut Burg Ravensburg. Mit Claus Burmeister hat er den denkbar besten Winemaker an seiner Seite, um seine Vorstellung vom biodynamischen Weinanbau umzusetzen. Heute gehören Heitlinger und Burg Ravensburg zu den Vorzeige-Weingütern für nachhaltigen Weinanbau.

 

Autorin Sabine Ruhland, Fotos ©foodhunter (oben Claus Burmeister)

 

„Meine Freunde stehen im Wingert: die Rebstöcke”, lächelt Claus Burmeister, der als Winzer für die beiden Weingüter Heitlinger und Burg Ravensburg verantwortlich zeichnet. Seit 2014 arbeiten er und sein Team konsequent biodynamisch auf insgesamt 120 ha und bearbeiten damit die größte biodynamische Weinanbaufläche in Europa. Das Ergebnis ist internationaler Ruhm für exzellente Weinqualitäten. In Deutschland ist Heitlinger vor allem passionierten Weinkennern ein Begriff, die für einen ausgezeichneten Wein gerne einen adäquaten Preis bezahlen.

 

Die Rebsorte ist anspruchsvoll, weshalb Heitlinger südöstlich gelegene Hänge mit kalkreichen Böden gewählt hat. Die Kühle von den oberhalb gelegenen Wäldern sorgt für Stabilisierung der Säure und verleiht den Weinen Frische.
Mit Blick auf die Hügel des Kraichgau gedeihen die Trauben für den würzig-fruchtigen Wein mit lebendiger Säure und viel Frucht.

 

Wir haben Glück, Claus Burmeister hat Zeit und fährt mit uns in die Weinberge – zu seinen Freunden. „Ich mache täglich meine Tour und schaue, ob es allen gut geht oder was als Unterstützung notwendig ist.” Burmeister legt seinen Fokus vor allem auf den Boden. – Das sei keine neue Erkenntnis, meint er, sondern altes Wissen auf Grundlage der Lehre von Dr. Rudolf Steiner, der schon 1920 dazu aufrief, Acker und Weinberg ganzheitlich zu betrachten und das natürliche Gleichgewicht zu erhalten.

 

Ein humusreicher Boden kann pro Quadratmeter 40 Liter Wasser mehr speichern.

 

„Vor allem jetzt, da wir viele Trockenperioden haben, ist Humus ein perfekter Wasserspeicher. Also tun wir alles, um die Humusschicht zu vertiefen. In Form von Kräutern und blühenden Pflanzen zwischen den Reben, die wiederum zahlreiche Insekten und Kleinstlebewesen anlocken, indem wir Tee aus Kamille, Baldrian, Rinden, Schachtelhalm oder Brennnesseln zubereiten und über die Reben und Böden sprühen. Natürlich auch, indem wir nicht mit schweren Geräten den Boden verdichten, sondern von Hand arbeiten. Zudem rühren wir von Hand das Wasser, mit dem wir gießen und arbeiten mit den Mondphasen.”

Trotzdem ist es Claus Burmeister wichtig, nicht als Bewahrer der Tradition zu gelten. Wir arbeiten umsichtig und im Einklag mit der Natur, aber auch mit technischen Innovationen.” So besitzt Heitlinger als eines der wenigen Weingüter eine lasergesteuerte Sortiermaschine, die schadhafte Trauben „ausschießt”. Eine teure Anschaffung, die dennoch die klassische Handselektion nicht vollständig ersetzen kann.

„In dem Moment, in dem wir die Trauben abschneiden beginnt die Substraktion.”

 

Engagiert im Weinberg, faul im Keller betont Claus Burmeister. „In dem Moment, in dem wir die Trauben abschneiden beginnt die Substraktion, also müssen wir vorher alles erdenklich dafür tun, sie in perfektem Zustand zu ernten.

Auch Zeit ist ein wichtiger Faktor für die Qualität des Weines. Statt über Pumpen und Schläuche läuft die Weiterverarbeitung via Gravitation. Alles geht seinen Gang, keine Hektik. „Wir machen nichts unter Druck, lassen den Trauben, dem Wein seine Zeit. Das ist ein großer Luxus. Wir denken auch nicht in Quartalszahlen, sondern in Jahrzehnten, wenn wir neue Reben pflanzen.” – Das Ergebnis: fantastische Weine mit zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen.

 

Selbst die Bäume für die Eichenfässer werden im Terroir, also oberhalb der Weinberge geschlagen. Re. Claus Burmeister und Philip Jacklin (Enkel von Besitzer Heinz Heiler) führen durch die Weinprobe, die mitten im Weinberg stattfindet.

 

Weine von Weltruf

 

Unsere Weinprobe inmitten der Weinberge startet mit dem „Heitlinger Blanc de Noirs Brut Nature”, Zero Dosage. Klassische Flaschengärung und klassische Pinot Meunier Trauben. Samtig-zart perlend am Gaumen wie feinster Champagner. Fruchtige Aromen von schwarzen Johannisbeeren werden von feinen Brioche-Noten begleitet. Für rund 18 € eine niveauvolle Alternative zu Champagner.

Die Reben für den Heitlinger „Eichelberg Pinot Blanc GG” gedeihen auf 320 Metern Höhe und der Weinberg ist umschlossen von Wald. „Den Weinberg haben wir im wahrsten Sinne aus der Versenkung gerettet, jetzt schenkt er uns einen höchst eleganten und ausdrucksstarken Weißburgunder.” Der Eichelberg Pinot Blanc verführt optisch mit hellem Goldgelb, zeigt eine feine Nase mit heller, frischer Frucht von Ananas und Papaya. Am Gaumen eine schöne Opulenz und feine Mineralität.

Es folgt der kupferfarbene Heitlinger „Spiegelberg Pinot Gris GG”, der 2018 als „bester Grauburgunder Europas” ausgezeichnet wurde. Reflexe von Bergamotte und Pfirsich, zarte, feine Säure und eine exzellente Länge. Je nach Jahrgang kann die Farbe etwas variieren.

„Dicker Franz Blaufränkisch GG” vom Weingut Burg Ravensburg bildet den Abschluss unserer Weinprobe. Bewirtschaftung, Ernte, Vinifizierung und Ausbau im Keller verlaufen wie bei den Weinen von Heitlinger. Bei den weißen Grossen Gewächsen werden die streng selektierten Trauben 6 bis 8 Monate im Barrique vergoren und gereift. Beim Dicker Franz Blaufränkisch erfolgt der biologische Säureabbau im Barrique; hier reifen die Weine sogar 10 – 15 Monate.

„Unsere Weine gehen in die ganze Welt”, sagt Claus Burmeister nicht ohne Stolz. New York, Malediven, Seychellen, Taiwan, Kyoto, Quebeck, Finnland, Estland, Polen … unendlich die Liste internationaler Restaurants, die Heitlinger und Burg Ravensburg auf der Weinkarte führen. Jetzt ist noch eine neue Fan-Adresse dazugekommen: foodhunter.

 

Ein traumhafter Sekt, cremig wie ein Champagner, feine Perlage, weicher, runder Geschmack. Um 18 €.
Heitlinger Eichelberg Pinot Blanc GG. Feiner, harmonischer Weißwein mit einem Bouquet von Apfel, Birne, gepaart mit exotischen Früchten, würzigen Noten sowie Karamell und Toffee. Ca. 30 €

 

Winemaker Claus Burmeister lebt für seine Reben. Seine Leidenschaft für die Arbeit im Weinberg ist ansteckend.

 

Bio oder biodynamisch – was ist der Unterschied?

Bei Bioweinen (erkennbar am Siegel und der Öko-Zertifizierungs-Nummer) unterliegen alle Arbeitsprozesse strengen Vorgaben: Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide, Fungizide und Herbizide. Parallel hat der Bioweinbau zum Ziel, die Artenvielfalt und die Nachhaltigkeit im Weinberg zu erhöhen. So sind Unkraut, Blumen oder Kräuter zwischen den Reihen das beste Indiz für Bioweinanbau. Rosenstöcke sind ein weiteres, denn sie sind anfälliger für Mehltau als Rebstöcke. Weist ein Rosenstock Mehltau auf, kann der Winzer natürliche Mittel auf Schwefel- oder Kupferbasis ausbringen, um dagegen vorzugehen.

Der biodynamische Weinbau ist das ”alte Wissen”, wie es Claus Burmeister gerne definiert. Grundlage ist die Lehre Rudolf Steiners, die den Acker bzw. den Weinberg ganzheitlich betrachtet. Ziel der biodynamischen Bewirtschaftung ist es, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten. Ein wichtiger Teil des biodynamischen Anbaus ist der Einsatz von natürlichen Präparaten zur Stärkung der Pflanzen und des Bodens: Kuhhörner, die im Boden des Weinbergs vergraben werden, gerührtes Wasser, Rinden- oder Brennnessel-Tee, der auf Boden und Reben gesprüht wird. Aussaat und Ernte richten sich zudem nach dem Mondkalender. Das mag alles esoterisch klingen, aber die Ergebnisse geben den Winzern recht.

 

 

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