Die Welt als Speisekarte

Die Welt als Speisekarte

Christian Seiler hält lange Schlangen für vielversprechend, vergleicht die kulinarische Hochkultur mit Ringelblumen im Garten, denn seien sie einmal da, vervielfachten sie sich schnell und er erzählt vom Wein, der „ein religiöses Erlebnis“ war. „Alles Gute – Die Welt als Speisekarte“ hat pralle 813 Seiten. 

 

Buchtipp von Oliver Zelt,
Fotos Echtzeit-Verlag, Porträt ©Tom Haller, ©Illustrationen Markus Roost, Roland Hausheer

 

Christian Seiler ist kulinarischer Weltenbummler und berichtet über Würziges im Wirtshaus, das ehrlich und nicht so verschnörkelt ist, aber auch aus der Spitzengastronomie, vom Markt, vom Streetfood-Truck, von Buden mit Charakter.

Die Geschichten des Österreichers duften und dampfen, er schreibt über Essen, das inspiriert und bereichert, nicht einfach nur satt macht. Ob auf den Azoren, im Burgund oder in Kyoto.

Man hat ein gutes Pfund Buch in der Hand, für pfundiges Wissen darüber, wie die Welt kocht und dass man für eine Makrele mit Wassermelone, so obertoll die auch schmeckt, nicht unbedingt nach Ney York reisen muss, sehr wohl aber Sellerie ein kulinarischer Knüller sein kann.

Man liest, dass jedes Stück Bergkäse ein Einzelstück sei und ein Stück Butter heute nach Bärlauch schmecken könne, wenn die Kühe am Tag zuvor Bärlauch geweidet hätten und morgen eben ganz anders. Man denkt, ist doch eigentlich klar und ist dankbar, dass es Bauern gibt, die ihren Kühen diese Chance geben und selbst diese Chance nutzen.

Seiler vergisst nicht, zu erzählen, wie Bananen in Kolumbien für den europäischen Markt wachsen. Da vergeht einem der Appetit. Das Gute in „Alles Gute“ ist, dass auch mal mieses Essen vorkommt.

Der Österreicher vergisst nicht, die Gefahr lässiger Wurschtigkeit im Restaurant zu erwähnen, wenn schon die Kellner aussehen, wie Wikinger „muss auch ich mir kein frisches Hemd anziehen“.

Gutes Essen müsse nicht teuer sein, Kultiviertheit beginne „nicht dort, wo rechts unten die hohen Preise stehen“. Ein Dillhering auf dem Pappteller kann ebenso ein „Wow“ auslösen, wie ein Sashimi von der Elefantenrüsselmuschel.

Man möchte am liebsten sofort packen und eine Weltreise buchen. Naja, zumindest mal drei bis sechs Städte anpeilen.

 

Christian Seiler
„Alles Gute – Die Welt als Speisekarte“, 813 Seiten
Echtzeit-Verlag, ISBN: 9783906807119, 43 Euro

 

Echtzeit-Verlag, ©Illustrationen Markus Roost, Roland Hausheer

Echtzeit-Verlag, ©Illustrationen Markus Roost, Roland Hausheer