Zwischen Soli und Gaudi: Werneckhof

Zwischen Soli und Gaudi: Werneckhof

Zwei charmante Damen treten an unseren Tisch im Werneckhof, der nicht nur mit Foodhunter, sondern auch mit Heinz Winkler besetzt ist. “Auf Wiedersehen, schönen Tag noch”, wünschen die Damen. “Ich hoffe, es hat Ihnen geschmeckt. Beehren Sie uns bald wieder”, entgegnete Heinz Winkler völlig selbstvergessen.  “Das denke ich doch”, antwortet eine der Damen, “es ist mein Sohn, der hier kocht.” Dem Gelächter folgt die Einladung auf ein Glas Champagner und so erfahren wir mehr über Tohru Nakamura, der dem Werneckhof die Sterne vom Himmel holt. 

Autor Sabine Ruhland, Fotos ©Foodhunter

 

Das Talent hat seine ebenso kochbegeisterte Mutter früh erkannt und gefördert. Stolz ist sie auf ihn und das mit Recht. Mit Herzensbildung und zweisprachig hat sie ihn erzogen und das hat ihm bei seinen Traineeships in Japan sicher geholfen. So lernte er u.a. bei Satoru Akiyama, dem Chefkoch am Hof des japanischen Kaisers.

Alle Schritte und Entwicklungen hat sie mitverfolgt und sieht zugleich – so wie wir auch – noch weit größeres Potenzial (Anmerk. d. Red. 2017: Inzwischen hat er den zweiten Stern) Doch für den Augenblick hat er sympathische Tohru Nakamura eigentlich alles erreicht, der erste Stern leuchtet, für jeden passionierten Koch ein Meilenstein. Manche 2- bis 3-Sterne-Köche sagten uns, es sei der erste Stern gewesen, der alles verändert hat.

Werneckhof, Foto Foodhunter

Unglaublich sympathisch ist er, der Sternekoch Tohru Nakamura (li). Wer seine Mutter kennt, der weiß, von wem er die Herzlichkeit hat.

Einen Samstagmittag haben wir uns ausgesucht – ideal für ein ausgiebiges Lunch. “Spätes Lunch” nennt es der Werneckhof, weil man bis 15 Uhr oder auch wie in unserem Fall auch länger speisen kann. Die Karte teilt sich in zwei Richtungen: “SOLI” präsentiert avantgardistisch interpretierte Klassiker wie Seeforelle, Milchlamm oder Bresse Taube, während “GAUDI” ungestüm mit Aromen und Zutaten spielt und für überraschende Kreationen sorgt. Wir entscheiden uns für keine der beiden Richtungen, sondern lassen uns überraschen, welches Potpourri Tohru serviert.

Signore Tucci öffnet dazu die passenden Weine. Ein Riesling 2012 Weingut Horst Sauer aus Franken macht den beschwingten Anfang, gefolgt von einem geradezu sensationellen Verdicchio und einem Ca’ Brione Terrazze Retiche di Sondrio IGT. Der erste Rotwein des Tages kam von Norbert Spielmann, Pinot Noir 2009 – nur ein Fass wurde davon gekeltert und Ireneo Tuzzi öffnet die Flasche mit Begeisterung. Danach ein Rotwein aus Sizilien, Reseco 2007 von Gulfi, 24 Monate im Barrique gereift. Ein edler Tropfen, aber zu schwer für den Nachmittag.

Werneckhof, Foto Foodhunter

Der Gruß aus der Küche – ein kleines Gesamtkunstwerk. Begeistert waren wir von hauchdünnen Pumpernickel-Chips, die in Blumenkohl-Kerbel-Topfen gedippt werden

Werneckhof, Foto Foodhunter

(li) Teil des Amuse Bouche, gebeizter Lachs mit Créme Crue, grüner Paprika und Dill. Mitte: Langoustine gebraten, dazu Salat von gekochten Schweineohren (in hauchzarten Streifen geschnitten). Rechts: Glattbutt aus La Turballe, gegrillt.

Werneckhof, Foto Foodhunter (1)

Ausgelassene Herrenrunde: Foodhunter, Ireneo Tucci und Heinz Winkler bei einem Glas Spielmann

Werneckhof, Foto Foodhunter

Schnecke vom Lammbauch mit Spitzkohl. Rechts die Bresse Taube vom Holzkohlegrill, mit Honig und Sesam gratiniert, begleitet von geräuchertem Minzjoghurt

Werneckhof, Fotos Foodhunter

Kalbsrücken glasiert, mit Parmesanschaum, den feinsten Artischocken die wir je gekostet haben, gehobeltem Radieschen, Tellerzwiebeln, jungen Karotten und Navettes – ein Garten Eden.

Werneckhof, Fotos Foodhunter

Hingeschmolzen sind wir bei diesem Millefeuille und der dunklen Karamellsauce, Mocca-Eis und Granité vom grünem Apfel. Die Gänge waren nicht schwer da konnte man leicht in den 6. schalten. Dazu ein traumhafter Champagner: Moet Chandon, 2000, Grand Vintage aus der Magnum.

Werneckhof, Foto Foodhunter

Der Werneckhof liegt in einem der schönsten Winkel Schwabings. Weil es keine Terrasse gibt, werden an warmen Tagen kurzerhand die Fenster ausgehängt.

Werneckhof, Fotos Foodhunter

Das Brot vorab kam warm in einer Porzellanschussel. Aufgeschnitten wie eine Torte, dazu ein Olivenöl des Chefs, daher Olio Tucci. Ein exzellentes Olivenöl, das es auch noch mit Limonengeschmack gibt.

Werneckhof
Werneckstraße 11
80802 München, Schwabing
Di-Fr 12-14 Uhr
Di-Sa ab 19 Uhr
TIPP: Samstag Spät-Lunch ab 13 Uhr, letzte Order um 15 Uhr. 
www.geisels-werneckhof.de